13. Oktober 2009

Zwei japanische Redewendungen mit 手

Posted in Übersetzung, 四字組, 成語, 日本語 um 9:45 pm von krisnawan

Hier soll es um zwei japanische Redewendungen mit 手 gehen, die im Chinesischen jeweils mit chengyu wiedergegeben werden können: 手を抜く te o nuku „pfuschen“ als 偷工減料 tōugōng-jiǎnliào, 手を焼く te o yaku „mit seinem Latein am Ende sein“ als 束手無策 shùshǒu-wúcè. Letzteres kann auch als 棘手 jíshǒu wiedergegeben werden.
Es folgen jeweils ein paar Beispiele:

この家は大工が手を抜いたので、雨が漏って困る。
這個房子因木工偷工減料而漏水,真傷腦筋。

弟の悪戯には家中が手を焼いている
對弟弟的惡作劇,全家束手無策

Advertisements

10. Mai 2009

Chinesische Chengyu im Japanisch-Unterricht

Posted in 兩字組, 四字組, 成語, 日本語 um 5:30 am von krisnawan

Die japanische Kultur und Sprache war intensiven chinesischen Einflüssen ausgesetzt, was natürlich auch für das Studium der chinesischen Klassiker inkl. der Chengyu angeht. Heutzutage jedoch sind viele Chengyu im Japanischen jetzt hochliterarischen Sprachregistern vorbehalten, trotz der Bemühungen von Webseiten wie dieser hier. Allerdings gibt es auch ein paar berühmte Sentenzen, die in den festen Alltagsbestand der japanischen Sprache eingegangen sind. Sie sind nicht zu Vierzeichenkombinationen geworden, sondern vielmehr verkürzt oder zu alltagssprachlichen Redewendungen geworden.

  • 蛇足 dasoku von   畫蛇添足 huàshé-tiānzú (Zhanguoce): dies ist die berühmte Geschichte vom Schlangenfuß. Einem Tempel im Staate Chu wurde ein Krug Wein gespendet. Anstatt den Wein gleichmäßig unter den Mönchen aufzuteilen, wurde jedoch vereinbart, einen Wettbewerb abzuhalten: Wer als erster eine Schlange auf dem Tempelboden fertigmalen würde, sollte den Krug ganz bekommen. Als der erste Mönch fertig war, wurde er so übermütig, daß er flugs noch vier Beine anfügte. Der Mönch aber, der als nächster fertig wurde, machte ihn den Krug erfolgreich mit der Begründung streitig, daß er gar keine Schlange gemalt habe, denn eine Schlange habe schließlich gar keine Füße! Dieses Wort bezeichnet etwas Überflüssiges, das das große Ganze gefährdet. Im Chinesischen ist das als Vierzeichen-Chengyu üblich, im Japanischen ist dies überhaupt nicht gebräuchlich und auf zwei Zeichen verkürzt.  Ein paar Chengyu, die vom Inhalt her in eine ähnliche Richtung gehen:「無中生有」,「多此一舉」、「弄巧反拙」
  • 五十歩百歩 gojippo hyappo von 五十步笑百步  wǔ shí bù xiào bǎi bù (Mencius): der König Hui von Jin beklagt sich bei Mencius, daß trotz seiner Maßnahmen, die seine Bürger besser behandelten als die seiner Nachbarstaaten, die Bürger dieser Staaten dennoch ihm nicht die Bude einrennen. Warum sei dies so? Da erzählt ihm Mencius ein Gleichnis, von zwei Gruppen vom Soldaten im Krieg. Die eine rennt 50 Schritte weg, die andere 100. Die Gruppe, die „nur“ 50 Schritte weggerannt ist, macht sich lustig über die, die 100 Schritte weggerannt sind. Mencius sagt, daß auch die vermeintlich so guten Maßnahmen des Königs doch nur eine Frage der Quantität seien, nicht eine der Qualität. Im Deutschen würde hier die Redewendung vom Glashaus passen, im Englischen sagt man auch „the pots calls the kettle black“.
  • 井の中の蛙大海をしらず i no naka no kawazu taikai o shirazu von 井底之蛙 jǐngdǐ zhī wā (Zhuangzi, Chunqiu). Dies ist eine Geschichte vom Geist des Gelben Flusses, der vor Demut erstarrt, als er zum erstenmal das Meer erblickt. Er sagt dem Geist des Nordmeeres, jetzt habe er endlich eine Ahnung von der Weite des Daos, denn das Meer sei vergleichbar grenzenlos. Daraufhin erklärt ihm der Geist des Nordmeeres, daß man schon wissen muß, worüber man spricht, ansonsten sei man wie der Frosch am Grunde des Brunnens, für den der Brunnen die ganze Welt darstellt. Im Japanischen wird das miteinander kombiniert zu „Der Frosch weiß nichts vom Ozean“. Im Chinesischen bezieht sich das auf Borniertheit, entweder eine bornierte Person, oder als Charakterzug.
  • 矛盾 mujun 自相矛盾 zìxiāng-máodùn (Han Feizi). Eine der bekanntesten Geschichten des chinesischen Altertums. Ich gebe die Geschichte erstmal im Original wieder, denn sie läßt sich relativ gut verstehen: “楚人有鬻盾与矛者,誉之曰:‘吾盾之坚,莫之能陷也。’又誉其矛曰:‘吾矛之利,于物无不陷也。’或曰:‘以子之矛陷子之盾,何如?’其人勿能应也。” Es gab einen Händler aus Chu, der sowohl Schild als auch Speer verkaufte, er lobte seinen Schild: ‚Mein Schild ist so hart, daß nichts ihn zerbrechen kann.‘ Dann wiederum lobte er seinen Speer: ‚Mein Speer ist so scharf, es gibt nichts, das er nicht durchbohren könnte.‘ Da fragte ihn jemand ‚Wie wäre es, wenn ich mit deinem Speer deinen Schild durchbohren wollte?‘ Darauf hatte der Händler keine Antwort.  Diese Geschichte wird im Japanischen immer zu zwei Zeichen abgekürzt, aber auch im Chinesischen ist  矛盾 recht häufig.
  • 漁夫の利 gyofu no ri (鷸蚌の争い ippō no arasoi鷸蚌相爭, 漁翁得利  yù bàng xiāng zhēng,yú wēng dé lì (Zhangguoce). Der König von Zhao wollte das benachbarte Reich Yan überfallen. Yan aber schickte Su Dai nach Zhao, um den König davon abzubringen. Su verwendete dabei das Gleichnis von der Kammuschel und der Schnepfe. Als die Muschel ihren Schale geöffnet hatte, steckte die Schnepfe ihren Schnabel hinein,während die Muschel sich mit aller Macht dagegen wehrte. Es schien keine Seite nachgeben zu wollen, bis einer Fischer daherkam und beide einsackte. Witzigerweise ist im Chinesischen eher der vordere Teil gebräuchlich 鷸蚌相爭 yù bàng xiāng zhēng, während es im Japanischen der hintere Teil ist: 漁夫の利 gyofu no ri. Im Deutschen in etwa „Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte“.
  • 推敲 suikō 推敲 tuīqiāo. Dies ist eine absolute Ausnahme, denn auch im Chinesischen sind es nur zwei Zeichen, und wird daher in vielen Wörterbüchern gar nicht als Chengyu anerkannt. Es handelt von dem Dichter Jia Dao aus der Tang-Zeit, der gerade beim Dichten war, und beim folgenden Vers sich nicht festlegen konnte, ob der Mönch die Tür nun schieben oder dort anklopfen sollte: „鳥宿池邊樹,僧推/敲月下門“ „Vögel lassen sich nieder auf dem Baum am See / der Mönch schiebt die/klopft an der Tür unter dem Mond“. Er war so sehr darin vertieft, daß er nicht sah, wie eine Prozession eines hohen Beamten des Weges kam, so daß er vollkommen unkonzentriert dort hineinstolperte. Der hohe Beamte war kein anderer als Han Yu, der auch als Dichter bekannt war, und eigentlich hätte Jia Dao mit dem Schlimmsten rechnen müssen, wäre es nicht für die poetische Ader der beiden Männer gewesen wäre. Sie kamen ins Plaudern und dann sagte ihm Han Yu, daß es sicherlich „klopfen“ sein sollte. Später nahm er Jia Dao in seinen Dichterzirkel auf. Von dieser Geschichte stammt dieses Wort, das soviel wie „überarbeiten“ bedeutet.

8. April 2009

項羽 und 成語 (Teil 1)

Posted in Geschichte, 四字組, 成語 um 9:44 pm von krisnawan

 項羽 Xiàng Yǔ ist eine der großen tragischen Figuren der chinesischen Geschichte. Ein großer Stratege und General, der schnell unter dem Titel 西楚霸王 Xīchǔbàwáng „Eroberer aus dem westlichen Chu“ bekannt wurde, stieg er in den Wirren der Endzeit der ersten chinesischen Qin-Dynastie schnell zu großer Macht und Ehre auf. Ihm schien die Errichtung der nächsten Dynastie vorbestimmt zu sein, doch unterliegt am Ende im Machtkampf gegen seine Rivalen 劉邦 Liú Bāng und  韓信 Hán Xìn, von denen ersterer schließlich der erste Kaiser der Han-Dynastie werden sollte. Sein tragisches Schicksal wurde schon früh von chinesischen Historikern unsterblich gemacht, aber außerhalb  Chinas wurde er durch die Verfilmung der Peking-Oper „Farewell my concubine“ (霸王別姬 bàwángbiéjī) berühmt.

Im ersten Teil geht es um Chengyu, die aus der Zeit seines Aufstiegs stammen, im zweiten dann geht es um seinen Fall.  

Xiang Yu wuchs unter der Herrschaft der Qin-Dynastie auf, doch deren Macht begann schon nach dem Tod des Begründers und des ersten Kaisers der chinesischen Geschichte zu bröckeln. Vielerorts brachen Revolten aus, die oftmals zum Ziel hatten, die von den Qin eroberten und in ihr Reich einverleibten Königreiche wiederzugründen. Darunter auch Chu, aus deren Herrschaftsgebiet Xiang Yu stammte. Zusammen mit Liu Bang und Han Xin sollte er zu den hervorragendsten Heerführern ihrer Zeit werden, die nominell noch in Diensten des wieder eingesetzten Königs von Chu standen, aber schnell das wirkliche Ziel ins Auge faßten: China neu zu vereinen und ihre eigene Dynastie zu gründen.

  • 作壁上觀  zuòbìshàngguān „von der Mauer aus dem Kampf zusehen“: Mit der Niedergang der Macht des Qin-Reiches machte auch der Fürst von Zhao Anstalten, sein dem Qin-Reich einverleibtes Königreich wiederzuerrichten. Die Qin wollten derlei Tendenzen jedoch im Keim ersticken und schickten Truppen nach Zhao, die alsbald die dortige Hauptstadt Julu einschlossen. Der König von Chu wiederum schickte Song Yi und dessen Stellvertreter Xiang Yu nach Julu, um Zhao beizustehen. Dort angekommen, zeigte Song Yi jedoch keine Regung, den Zhao zu helfen, vielmehr wollte er zusehen, wie sich die Truppen von Qin und Zhao gegenseitig aufrieben und griff nur vereinzelt ein. Auf die wütenden Proteste Xiang Yus hin, der einen gegen Qin gefallenen Verwandten rächen wollte, tadelte Song Yi seinen Untergebenen scharf und drohte zudem jedem, der sich einer Insubordination schuldig machen würde, mit der Todesstrafe. Schließlich wuchs der Zorn des Xiang Yu dermaßen an, daß er Song Yi umbrachte und sich kurzerhand selbst zum Befehlshaber ausrief, was von den anderen Generalen aufgrund der Unfähigkeit von Song Yi akzeptiert wurde. Im Englischen gibt es eine ähnliche Redewendung, „to sit on the fence“. Dieses Wort bezeichnet also eine Situation, in der jemand bei einem Konflikt zwischen zwei anderen nicht eingreift, sondern seelenruhig den Ausgang abwartet.
  • 以一當十 yǐyīdāngshí: 10 gegen 1. Xiang Yu übernahm das Kommando über die Truppen von Chu und zog gegen die Qin, die die Hauptstadt von Zhao, Julu, eingeschlossen hatte. Die genauen Angaben widersprechen sich, aber manche Quellen sprechen davon, daß Xiang Yu nur ein Zehntel der Truppenzahl der Qin hatte, etwa 30.000 gegen 300.000. Dieses Chengyu bezeichnet dieses Verhältnis. (Anmerkung: die nebenstehende Quellenangabe verweist nicht nur auf die Beschreibung von Xiang Yu im Shiji, sondern auch auf eine frühere Verwendung im Zhanguoce. Allerdings wird dieses Chengyu häufig in Verbindung mit Xiang Yu erwähnt.) 
  • 破釜沈舟 pòfǔchénzhōu „die Kessel zerbrechen und die Schiffe versenken“ (wichtiges Chengyu!): Angesichts dieser Zahlenverhältnisse fand Xiang Yu eine außergewöhnliche Methode, seine Truppen zu motivieren: er gab den Truppen Proviant für drei Tage, ließ den Rest (die Kessel) zerstören und schnitt ihnen außerdem den Fluchtweg ab, indem er die Schiffe versenken ließ.  Diese Strategie hatte Erfolg, der Sieg von der Schlacht von Julu leitete den Untergang der Qin ein. Später wird Han Xin eine ähnliche Strategie verfolgen, indem er mit seinen Truppen mit dem Rücken zu einem Fluß kämpft: 背水一戰 (bèishuǐyīzhàn). Diesem Wort entspricht in unserem Kulturkreis in etwa die Entscheidung von Julius Cäsar, den Rubikon zu überschreiten: hiernach gab es kein Zurück mehr, denn sobald die Truppen den sakrosankten Grenzfluß übertraten, mußten sie siegreich sein bis zum bitteren Ende. Beiden Worten ist gemein, daß das Unterfangen am Ende erfolgreich ist.
  • 鴻門(夜)宴 Hóngmén(yè)yàn: der König von Chu hatte demjenigen Heerführer, der zuerst Xianyang, die Hauptstadt des Qin-Kaiserreichs in der Nähe des heutigen Xi’an, einnimmt und damit der Qin-Dynastie ein endgültiges Ende bereitet, die Prinzenwürde von Qin versprochen. Während Xiang Yu mit der Schlacht von Julu beschäftigt war, war indes Liu Bang direkt auf dem Weg nach Luoyang geschickt worden, das er nach einer Weile auch einnahm. Als Xiang Yu nach siegreicher Schlacht nach Luoyang kam und die Truppen  von Liu Bang in Besitz der Kaiserhauptstadt vorfand, verfiel er in große Rage, da er das Privileg, Xianyang zu besetzen, für sich in Anspruch genommen hatte. Angestachelt von seinem Berater Fan Zeng, der dies als eine gute Gelegenheit für Xiang Yu sah, seinen Konkurrenten Liu Bang auszuschalten, wollte er seine dreifache Truppenübermacht ausnutzen und Liu Bang und seine Truppen vernichten. Der Onkel von Xiang Yu, Xiang Bo, berichtete Liu Bang jedoch von dem Plan, aber anstatt zu fliehen, bekniete Liu Bang ihn, sich bei seinem Neffen für ihn einzusetzen, da er bereit sei, sich Xiang Yu zu unterwerfen. Xiang Bo glaubte ihm dieses und war tatsächlich erfolgreich, seinen Neffen fürs erste vom Angriffsplan abzubringen und ihn statt dessen dazu zu bringen, ein Bankett für Liu Bang im Lager von Xiang Yu am Hongmen abzuhalten. Zu diesem erschien Liu Bang am nächsten Morgen. Bezugnehmend auf dieses Ereignis bezieht sich 鴻門宴 auf  ein im wahrsten Sinne des Wortes ominöses Bankett (筵席yánxí), ein Bankett, dessen Gastegeber keine lauteren Absichten hat. 
  • 人為刀俎、我為魚肉: rén wéi dāozǔ、wǒ wéi yúròu (weitere Erläuterung hier): Liu Bang erschien also zum Bankett, aber dessen Leibgarde wurde nicht hineingelassen, so daß dieser ungeschützt Xiang Yu und seinen Männern ausgeliefert war.  Im Grund war Liu Bang wie ein Lamm zur Schlachtbank gegangen, und genau hierauf bezieht sich dieses Wort: „ich bin wie das Fisch und Fleisch, andere aber sind das Messer“, auf englisch auch „to be on somebody’s chopping block“.
  • 項莊舞劍、意/志在沛公 Xiàng Zhuāng wǔjiàn、yì / zhì zài pèi gōng: „die Absicht des Schwerttanzes von Xiang Zhuang liegt im Fürsten von Pei (ein Titel von Liu Bang)“. Ungeschützt war Liu Bang also auf dem Bankett von Xiang Yu, und dessen Berater Fan Zeng witterte immer noch eine gute Gelegenheit, sich des Rivalen zu entledigen, aber Xiang Yu war unentschlossen. Fan Zeng ließ dann den Vetter von Xiang Yu, Xiang Zhuang, einen Schwerttanz vorführen, vorgeblich um den Anlaß feierlich zu unterstreichen, aber in Wirklichkeit hatte Fan Zeng diesem aufgetragen, im Verlaufe der Aufführung Liu Bang zu töten. Xiang Bo, der Liu Bang auch am Anfang vor Xiang Yus Angriffsplänen gewarnt hatte, erkannte auch diese Gefahr und durchkreuzte die Absicht Fan Zengs, indem er sich als Tanzpartner zu Xiang Zhuangs Schwerttanz anbot und immer im richtigen Augenblich Liu Bang abschirmte. Dieses Wort bezieht sich daher auf eine Situation, in der hinter den Worten und Taten einer Person eine finstere Absicht steckt.
  • 沐猴而冠 mùhóu’érguàn (weitere Erläuterung hier, lustige Grafik hier): Xiang Yu hatte lange gezögert, Liu Bang töten zu lassen, und nicht allzu lange nach dem Schwerttanz verschwand Liu Bang unter einem Vorwand, und überließ die Stadt den Truppen von Xiang Yu, der den Kaiser und  seine Familie umbringen, den Kaiserpalast niederbrennen und ansonsten den Truppen freien Lauf ließ beim Plündern und Brandschatzen der Stadt.

21. März 2009

整人

Posted in Slang, 四字組, 成語 um 5:51 am von krisnawan

„jemandem das Leben schwer machen, jemanden nerven“. Es handelt sich um einen Slangausdruck, wie z.B. in dem nachfolgenden Satz, indem es um zwei Schüler geht, die so ungezogen waren, daß

老師被整得沒轍. lǎoshī bèi zhěng dé méizhé

Eine sehr schöne Resultativkonstruktion: „so auf Trab gehalten, daß sie keine Handhabe hatten“. (沒轍 bedeutet so viel wie „mit seinem Latein am Ende sein“, eine formalere Ausdrucksweise wäre 窮途末路)

18. März 2009

Und diesmal der Bildungsminister…

Posted in Nachrichten, Politik, 四字組, 成語 um 8:15 pm von krisnawan

ja, immer wieder verwenden Politiker Chengyu falsch. Sie stehen aber auch unter solchem Druck, sich als gebildet zu zeigen… Hier gibt es einen Bericht, der sich mit den Faux-pas des taiwanesischen Bildungsministers im Januar diesen Jahres beschäftigt. Wie bei Chen Shui-bian, vergriff sich der Minister im Ton, als er eine Organisation und diejenigen, die sich um diese verdient gemacht hatten, loben wollte.

  • 亭亭玉立 tíngtíngyùlì (aus der Ming-Zeit): er wollte die Organisation, auf deren Jubiläumsveranstaltung er als Gastredner anwesend war, loben, daß sie sich in eine prächtige, attraktive Frau entwickelt hätte. Äh ja… das Wörterbuch sagt zwar, es könne auch auf Bäume angewendet werden, aber die Grundidee, die in dem Chengyu steckt, ist daß das damit Bezeichnete graziös, grazil und hochgewachsen ist.
  • 始作俑者 shǐzuòyǒngzhě: dann bezeichnete er einen seiner Vorgänger als Bildungminister, der wohl bei der Gründung der Organisation Pate gestanden hatte, als „Vater des Erfolges“. Auf den ersten Blick erscheint das Chengyu auch in dieser Form anwendbar zu sein, aber leider stellt sich dies bei näherer Betrachtung als falsch heraus, denn dieses Wort stammt aus dem Werken des Mencius und bezeichnet den „Urvater allen Übels“: „始作俑者,其無後乎“. Oops…

Später noch verwechselte er 馬英九 und 連戰 und sprach von ehemaligen Vizepräsidenten Ma. Also kann es wohl keine bloße Chengyu-Schwäche gewesen sein. Das Wort hier für Faux-pas ist übrigens 烏龍 wūlóng, ein Fehltritt, ein unbeachsichtigter Fehler (und ja, mit denselben Zeichen wie der bekannte Tee).

Chengyu aus der chinesischen Geschichte

Posted in Geschichte, Kultur, 四字組, 成語, 日本語 um 6:59 pm von krisnawan

Die schon vorher erwähnte japanische Webseite zum Chinesischlernen mit Chengyu hat eine Reihe von „klassischen“, der chinesischen Geschichte entnommen Chengyu. Diese können alle als weitläufig bekannt gelten, werden aber nicht unbedingt häufig in der täglichen Sprache verwendet, da sich manche von ihnen auf ganz spezielle Ereignisse beziehen, die sich nicht gut auf andere Situationen übertragen lassen. Ich habe die Chengyu in chronologischer Weise angeordnet.

  • 酒池肉林 jiǔchíròulín „Seen aus Wein und Wälder aus Fleisch“: Beschreibt die Dekadenz des Yin-Reiches: Mit zum Fall des letzten Königs der Yin (auch Shang genannt) soll dessen Dekadenz beigetragen haben: so berichten die Geschichtsschreiber, daß dieser Seen ausheben und diese mit Wein füllen ließ und dann an diesen Seen verschiedene Stücken an Fleisch aufhängen ließ, wie ein Wald aus Fleisch. Bei dieser Beschreibung darf man allerdings nicht vergessen, daß wie in der Geschichte des westlichen Altertums auch hier der Sieger die Geschichte schreibt…
  • 臥薪嘗膽 wòxīnchángdǎn „auf Feuerholz schlafen und Galle trinken“, „lange Entbehrungen auf sich nehmen bis zum Erfolg“: Aus der Zeit der Frühling- und Herbstannalen, 5. Jh. v.Chr. Das Zhou-Königreich trat die Nachfolge des Yin-Königreichs an, doch zeigten sich bald Risse in seiner Herrschaft, in der Zeit der Frühling- und Herbstannalen erschienen eine Reihe von kleineren und größeren Fürstentümern, die nominell Vasallen des Königs von Zhou waren, sich aber immer unabhängiger gerierten. Während dieser Zeit stritten diese Fürstentümer, von denen die größeren sich auch gern als Königreiche bezeichneten, zunächst untereinander um die Vorherrschaft. Zwei dieser Reiche waren Wu und Yue. Bevor der König von Wu an den Folgen eines Giftpfeils der Yue verstarb, schärfte er seinem Sohn und Nachfolger ein, nie zu vergessen, daß es der König von Yue war, der die Schuld daran trug. Nachdem der Sohn den Thron bestieg, schlief er jede Nacht auf einem Stapel Feuerholz, um sich daran zu erinnern. Bald schon hatte er Gelegenheit, den Tod seines Vaters zu rächen und nahm den König von Yue gefangen, ließ ihn aber nicht umbringen, sondern ließ ihn nach ein paar Jahren demütigender Knechtschaft wieder ziehen. Um diese Demütigung aber nicht zu vergessen, zwang sich der König von Yue wiederum, jeden Tag bittere Galle zu trinken. Nach zehn Jahren hatte er Yue entsprechend gestärkt, daß er wiederum in den Krieg gegen Wu ziehen konnte und schließlich den König von Wu töten konnte. In Japan kam dieses Wort 1895 auf, als nach dem japanischen Sieg über Qing mit der Triple-Intervention Rußland, Frankreich und Deutschland verhinderten, daß Japan die Halbinsel Liaodong in Anspruch nehmen konnte. Es mußte sich schließlich mit Taiwan begnügen, und der Zorn der japanischen Regierung richtete sich vor allem auf Rußland. Nach 10 Jahren jedoch kam es zum Russisch-Japanischen Konflikt, in dem Japan siegreich war.
  • 孟母三遷 Mèngmǔ-sānqiān: „die Mutter des Mencius zieht dreimal um, um dem Sprößling die bestmögliche Ausbildung angedeihen zu lassen“. Mencius war einer der wichtigsten Schüler des Konfuzius, aber bevor er zu einem solchen Gelehrten werden konnte, mußte er zunächst seine Kindheit überstehen. Die Legende besagt, daß seine Mutter sehr großen Wert auf die Ausbildung ihres Sohnes legte. Zunächst wohnten sie in der Nähe eines Friedhofs, so daß der Junge häufig Beerdigungen nachspielte, was der Mutter nicht gefiel, so daß sie umzogen. Dort wohnten sie jedoch in Nähe eines Marktes, so daß er häufig Geschäftemachen spielte, was auch nicht gut war. Schließlich zogen sie in die Nähe einer Schule, und die Mutter war es zufrieden.
  • 孟母斷機 Mèngmǔ-duànjī (auch 斷機教子) „die Mutter des Mencius bricht den Webkamm ab“: Mencius bricht seine Ausbildung mittendrin ab. Nachdem Mencius zum Jüngling geworden war, wurde er, wie es Sitte war, fortgeschickt, um bei wichtigen Gelehrten direkt zu lernen. Eines Tages aber kam er urplötzlich nach Hause und traf seine Mutter im Haus am Webstuhl arbeitend an. Erstaunt fragt diese ihn, was mit seinen Studien sei, und er sagte, er habe sie so vermißt und sei daher wiederzurückgekehrt. Resolut bricht die Mutter dann den Webkamm mitsamt dem Stück Stoff, das sie am Weben war, um ihrem Sohn so zu zeigen, daß man sein Studium, genauso wie das Weben, nicht ohne weiteres mittendrin unterbrechen könne. (Ein viel häufiger gebrauchtes Chengyu, das eine ähliche, aber allegemeinere Bedeutung hat, ist 半途而廢). Diese beiden Geschichten von Mencius‘ Mutter werden auch unter dem Chengyu 斷機擇鄰 zusammengefaßt und bezeichnen den großen Einsatz der Mutter für die Ausbildung ihres Sohnes.
  • 焚書坑儒 fénshūkēngrú: der erste Qin-Kaiser läßt Bücher verbrennen und ihm mißliebige (konfuzianische) Gelehrte bei lebendigem Leibe begraben. Der erste Kaiser, der China zu einem starken Reich vereinigte, stand unter dem Einfluß von legalistischen Gelehrten, die ihn mehr und mehr gegen die Konfuzianer aufbrachten, was schließlich im Verbot und Verbrennung vor allem konfuzianischer, aber auch anderer mißliebiger Werke mündete. Die Begrabung der Gelehrten soll sich zugetragen haben, nachdem der Kaiser, der auf der Suche nach der Unsterblichkeit war, von betrügerischen Gelehrten ausgenutzt worden war. Diejenigen, die Unsummen an Geld für die Entwicklung einer Tinktur erhalten hatten, waren selbstredend über alle Berge, aber er ließ dafür dennoch an 460 meist konfuzianischen Gelehrten ein Exempel statuieren und diese bei lebendigen Leibe begraben. Später wurde dieses Wort für extreme Unterdrückung von Meinungsfreiheit verwendet, wie z.B. die Bücherverbrennung unter den Nazis oder auch die Kulturrevolution.
  • 四面楚歌 sìmiàn-Chǔgē „Gesang von Chu von allen vier Seiten“: Xiang Yu und Liu Bang streiten um das Erbe des Qin-Reiches: dies stellt das Ende des Machtkampfes zwischen den beiden Seiten dar, Xiang Yu, der die Truppen der Chu anführt, ist von den Truppen des Liu Bang, der später das Han-Reich begründen sollte, eingekesselt („vier Seiten“). In dieser Situation bedient sich Han Xin, der in dieser Schlacht die Han-Truppen anführt, einer List: er läßt die gefangen genommenen Chu-Soldaten  über alle Seiten verteilen und Lieder von Chu singen.  Dies erinnerte die noch im Kampf befindelichen Chu-Truppen an ihr Zuhause und nahm ihnen die Motivation zum Kämpfen und gab auch Xiang Yu den Eindruck, daß ganz Chu entweder überrannt oder übergelaufen war und beging schließlich Selbstmord. Dieses Wort kann in einer Situation verwendet werden, wenn man von allen Seiten eingekreist ist, bzw. wenn man von allen Verbündeten verraten und verlassen wurde und allein gegen eine feindliche Übermacht ansteht.
  • 夜郎自大 Yèláng-zìdà „Yelang hält sich für etwas Großes“:  das Han-Reich bestand knapp 400 Jahre, und in der Zeit gab es an dessen Peripherie ein paar kleinere Reiche, darunter auch Yelang auf dem Gebiet des heutigen Yunnan. Der Fürst von Yelang war dem Han-Reich ein Dorn im Auge, aber anfänglich ließ man ihn gewähren. Einmal soll der Fürst die Gesandten des Kaisers herausgefordert haben und sie gefragt haben, welches größer sei, Han oder Yelang. Später sollte Han dem kleinen Reich ein Ende bereiten. Dieses Wort bezeichnet eine grandiose Selbstüberschätzung mit einer gehörigen Portion an arroganter Ignoranz.
  • 三顧草蘆 sāngùcǎolú/三顧茅蘆 sāngùmáolú „dreimal die Gras-/Reet-hütte besuchen“: Zeit der Drei Reiche, nachdem das Han-Reich unterging, kamen drei Reiche auf, die um die Vorherrschaft kämpften, was in dem historischen Roman „Geschichte der Drei Reiche“ unsterblich gemacht wurde.  Einer der drei Reiche war unter der Herrschaft von Liu Bei, der den klugen Strategn Zhuge Liang bitten wollte, in seine Dienste zu treten. Dieser zierte sich jedoch und zog es vor, in einer abgelegenen Region seinen Acker zu bestellen und seinen Studien nachzugehen. Dann aber reiste Liu Bei persönlich, zusammen mit seinen engsten Mitstreitern, in die abgelegene Region zur Hütte (die je nach Version entweder gras- oder reetgedeckt war) von Zhuge, und sprach insgesamt dreimal bei ihm vor, bis er sich schließlich erweichen ließ. Er sollte zu einem der wichtigsten Strategen und Heerführer Liu Beis werden. Im heutigen Kontext kann dieses Wort z.B. im Zusammenhang mit Unternehmen verwendet werden, die keinen Mühen scheuen, um talentierten Nachwuchs einzustellen.
  • 風聲鶴唳 fēngshēnghèlì „Laut des Windes und Ruf des Kranichs“: Östliche Jin. Nach den Wirren der Drei Reiche der Nach-Han-Zeit hatte schließlich Jin alle drei Reiche besiegt und das Land wiedervereinigt, doch schon 50 Jahre später mußte Jin den Norden aufgeben, der nach einigen Wirren schließlich unter den Früheren Qin vereinigt wurde. Im Jahre 383 dann zog der Kaiser der Früheren Qin mit  mehr als 500.000 Soldaten gen Süden (die Truppen so zahlreich, daß sie den Fluß stauen würden, wenn sie alle ihre Peitschen ins Wasser werfen würden 投鞭斷流), um den Östlichen Jin den Garaus zu machen.  Die Östlichen Jin hatten nur 80.000 Truppen aufzubieten, konnten sich aber erfolgreich den Methoden der psychologischen Kriegsführung zu bedienen, um die Angreifer zu demoralisieren. Diese waren so verunsichert, daß sie nachher auch die Gräser für feindliche Soldaten hielten (草木皆兵). Zudem waren die Truppen von Jin auch besser ausgebildet und genährt, so daß trotz einer riesigen Übermacht die Jin eine der wichtigsten Schlachten der chinesischen Geschichte, die Schlacht vom Fei-Fluß, gewannen und sich so ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Die unterlegenen Qin-Truppen flohen indes zurück in den Norden und waren so schreckhaft, daß Windgeräusche und Vogelgeräusche sie in Angst und Schrecken versetzten. Dieses Wort steht also für ein extrem schreckhafte Gruppe von Menschen, die in allem eine Gefahr wittern. Manchmal wird es auch kombiniert zu 風聲鶴唳, 草木皆兵.
  • 畫龍點睛 huàlóngdiǎnjīng „beim Malen eines Drachens die Augen malen, ein Meisterwerk abschließen“: Aus der Zeit des Südlichen und Nördlichen Dynastien, die nach dem Untergang der Östlichen Jin in Nord und Süd eine Zeit der politischen Unruhen darstellten, in denen aber Kunst und Wissenschaft eine bis dato nie gekannte Blüte erfuhren. Dazu gehörte auch die Malerei, und einer dieser Maler war Zhang Sengyao, der unter den Südlichen Liang in Wu gelebt haben soll. Einmal wurde er beauftragt, in einem Tempel im heutigen Nanjing vier Drachen zu malen, was er auch tat, jedoch ohne die Augen zu malen. Als er nach dem Grund gefragt wurde, sagte er, daß seine Malerei so lebensecht sei, daß die Drachen zum Leben erwachen und davonfliegen würden, wenn er die Augen hinzufügen würde. Die Legende besagt, daß er dies tatsächlich auf Aufforderung bei einem der vier Drachen tat und dieser prompt davonflog. Dieses Wort kann entweder bedeuten, daß man ein Meisterwerk abschließt und es sozusagen zum Leben erwacht, auch im Sinne von „mit einem kleinen Federstrich ein Meisterwerk fertigstellen“, das i-Tüpfelchen also. Im übertragenen Sinne kann es auch bedeuten, mit wenigen Worten eine wichtige Aussage zu treffen, „to drive home the point otherwise difficult to explain“ sozusagen.

16. März 2009

Chengyu für den Anfang

Posted in Link, Wortliste, 四字組, 成語 um 10:09 pm von krisnawan

Ich persönlich kann mich an keine Vierzeichenkombinationen oder sonstige Chengyu aus meinen Anfangsjahren des Chinesischstudiums erinnern, mit der Ausnahme von dem recht trivialen 一天到晚 yītiāndàowǎn  „von morgens bis abends, den ganzen Tag lang“. Nun hat Marks China-Blog in einem Beitrag, der sich auch auf die Episode von Hillary Clinton und ihrer Vorliebe für Chengyu bezieht, im Alltag recht häufig verwendete Chengyu vorgestellt, die ich im übrigen analysieren und kommentieren möchte:  

  • 入乡随俗 rùxiāngsuísú: „when in Rome, do as the Romans do“ (wenn man ein Dorf betritt, folge man  den dortigen Gepflogenheiten). Dieses Chengyu ist sehr alt, es stammt von Zhuangzi. Varianten sind 入境随俗,入境问俗,入境问禁.
  • 重色轻友 zhòng sè qīng yǒu „den Partner den Freunden vorziehen“: Kein Chengyu. Es geht darum, inwieweit man in der Interaktion mit seinen Mitmenschen dem Partner Priorität einräumt und wieviel seinen Freunden. Bedeutet so viel wie „den Partner den Freunden vorziehen“. Variante 重爱轻友. Für die entgegengesetzte Idee gibt es auch den entsprechenden Ausdruck 重友轻色.
  • 张三李四 Zhāng Sān Lǐ Sì „Hinz und Kunz; Krethi und Plethi; jedermann“: Chengyu aus der Song-Zeit.
  • 马马虎虎 mǎma hūhū „unachtsam, nachlässig; so lala, geht so“. Laut dieser Quelle ist dies als Chengyu vermerkt, das auf den modernen Schriftsteller Mao Dun zurückgehe, aber dies ist zweifelhaft, da es sich um eine Reduplikation von 马虎 handelt.
  • 人山人海 rénshān rénhǎi „Menschenberge und Menschenmeere“, die Menschenmassen in China (und anderen asiatischen Ländern) bezeichnend. Aus einem Roman der Ming-Zeit.
  • 人生如寄 rénshēngrújì „das Leben ist kurz (寄 bedeutet hier soviel wie „vorübergehender Aufenthalt“, wie z.B. in 寄居)“: aus der Zeit der Drei Reiche, von Sohn Cao Caos (三国魏·曹丕).
  • 无处可去 wúchùkěqù „nowhere to go“: auch dies ist kein Chengyu, sondern ein Satz aus dem klassischen Chinesischen, der einfach besagt, daß man nirgendswohin gehen kann.

Zwei 成語 aus 論語 in einem Zeitungsartikel

Posted in Nachrichten, Wortliste, 四字組, 成語 um 5:15 pm von krisnawan

Ich las in einem Zeitungsartikel über Universitätsabsolventen, die trotz eines großen Angebots an Stellen im Marketingbereich dies eher zu meiden scheinen, gleich zwei interessante Chengyu aus Konfuzius‘ 論語:

  • 望而生畏 wàng’érshēngwèi: „etwas sehen und es mit der Angst zu tun bekommen“
  • 敬而远之 jìngéryuǎnzhī: „sich respektvoll fernhalten“. Im Japanischen gibt es dies als Zweizeichenkombination: 敬遠 keien.

Ich habe im folgenden noch ein paar weitere Wörter aus dem Artikel, vordergründig aus dem Bereich der Wirtschaft, herausgeschrieben, ohne Gewähr. 

Den Rest des Beitrags lesen »

15. März 2009

望文生義 wàngwénshēngyì

Posted in 聯合動詞式, 四字組, 成語 um 11:50 pm von krisnawan

„wörtlich nehmen“, ohne Rücksicht auf Konnotation oder kompositionelle Bedeutung. Das Chengyu stammt aus der Qing-Zeit. Aus dem Kontext reißen heißt übrigens 斷章取義 duànzhāngqŭyì.

Update 1

Posted in Update, 四字組, 成語 um 10:41 pm von krisnawan

Update von 3 Chengyu/Vierzeichenkombinationen, die in früheren Beiträgen eine Rolle spielten:

  • 同舟共濟 tóngzhōugòngjì „im selben Boot sitzen“: im Japanischen gibt ein Idiom aus demselben Kontext: 呉越同舟 goetsudōshū. Wir erinnern uns, das Chengyu bezog sich auf Soldaten von den beiden Staaten Wu 呉 und Yue 越, die trotz des gegenseitigen Kriegszustands bei einem Sturm zusammenarbeiten mußten, um in einem Boot den Fluß gemeinsam zu überqueren. Die japanische Variante macht dies nochmal besonders deutlich.
  • 陳腔濫調 chénqiānglàndiào „Klischee, abgedroschene Phrase“: Es gibt noch weitere Ausdrücke: nicht ganz so negativ 老生常談 lǎoshēngchángtán,und 舊調重彈 jiùdiàochóngtán.
  • 雞同鴉講 jī tóng yā jiǎng, 答非所問 dá fēisuǒwèn: ein weiteres Chengyu, das etwas mit Mißkommunikation zu tun hat: 各說各話 gèshuōgèhuà, eher als „aneinander vorbeireden“ geht dies eher in die Richtung „Aussage gegen Aussage; jeder sagt etwas anderes, das nicht zusammenpaßt“. Ein Beispiel: 朝野政治人物持續就事件的真相各說各話 „Die Politiker der Regierungs- und Oppositionsparteien hatten zu diesem Vorfall ihre eigene Version der Dinge“.

Nächste Seite