13. Oktober 2009

Zwei japanische Redewendungen mit 手

Posted in Übersetzung, 四字組, 成語, 日本語 um 9:45 pm von krisnawan

Hier soll es um zwei japanische Redewendungen mit 手 gehen, die im Chinesischen jeweils mit chengyu wiedergegeben werden können: 手を抜く te o nuku „pfuschen“ als 偷工減料 tōugōng-jiǎnliào, 手を焼く te o yaku „mit seinem Latein am Ende sein“ als 束手無策 shùshǒu-wúcè. Letzteres kann auch als 棘手 jíshǒu wiedergegeben werden.
Es folgen jeweils ein paar Beispiele:

この家は大工が手を抜いたので、雨が漏って困る。
這個房子因木工偷工減料而漏水,真傷腦筋。

弟の悪戯には家中が手を焼いている
對弟弟的惡作劇,全家束手無策

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8. Oktober 2009

Vergnügungspark

Posted in English, Wortfeld, 日本語 um 10:48 pm von krisnawan

Im folgenden ein paar Begriffe aus dem Bereich Vergnügungspark im Japanischen und Chinesischen.

  • Vergnügungspark, amusement park: 遊園地 yūenchi (J), 遊樂園 yóulèyuán (C)
  • Theme park テーマーパーク tēmāpāku (J) 主題樂園 zhǔtí lèyuán (C)
  • Fahrgeschäfte: 遊具 yūgu (J), 遊樂設施 yoúlè shèshī (TW) oder 機動遊戲 jīdòng yóuxì (BJ)
  • Karrusell:  English merry-go-round/carousel (AmE)/round-about (BrE): Japanisch メリーゴーラウンド meriigōraundo (früher auch 回転木馬 kaitenbokuma), Chinesisch 旋轉木馬 xuánzhuǎn mùmǎ (TW)oder 迴轉木馬 huízhuǎn mùmǎ (BJ)
  • Achterbahn, Roller coaster, auf japanisch ローラーコースター rōrākōsutā or ジェットコースター jettokōsutā (J), 雲霄飛車 yúnxiāo fēichē (TW)、過山車 guòshānchē (BJ) (C)
  • Riesenrad: Ferris wheel 観覧車 kanransha (J), 摩天輪 mótiānlún (C)
  • Geisterbahn/Geisterhaus: haunted house お化け屋敷 obakeyashiki (J), 鬼屋 guǐwū (C)

11. Juli 2009

Eine Prise Psychoanalyse…

Posted in Synonymie, 日本語 um 8:58 pm von krisnawan

… liegt in der Luft mit diesem Beitrag, es soll hier um die Begriffe das Unbewußte und das Unterbewußte gehen. Im Englischen heißen die Begriffe entsprechend unconscious und subconscious, wobei beim Englischen ersteres auch bewußtlos bedeuten kann. In den Schriften Freuds scheint ausschließlich der Begriff Unbewußt(sein) / unconscious(ness) verwendet zu werden, so daß die Anhänger der Psychoanalyse dem in der Umgangssprache ziemlich gebräuchlichen Begriff des Unterbewußtseins/subconsciousness ablehnend gegenüberstehen.

Auf japanisch heißen die Begriffe jeweils 潜在意識 senzai-ishiki und 無意識 muishiki. Auf chinesisch ist ersteres entweder 潛意識 qiányìshì oder  下意識 xiàyìzhì, letzteres identisch mit dem japanischen 無意識 wúyìshì. Ob die Begriffsdebatte in diesen Sprachen auch so erbittert geführt wird, soll dahingestellt bleiben.

10. Mai 2009

Chinesische Chengyu im Japanisch-Unterricht

Posted in 兩字組, 四字組, 成語, 日本語 um 5:30 am von krisnawan

Die japanische Kultur und Sprache war intensiven chinesischen Einflüssen ausgesetzt, was natürlich auch für das Studium der chinesischen Klassiker inkl. der Chengyu angeht. Heutzutage jedoch sind viele Chengyu im Japanischen jetzt hochliterarischen Sprachregistern vorbehalten, trotz der Bemühungen von Webseiten wie dieser hier. Allerdings gibt es auch ein paar berühmte Sentenzen, die in den festen Alltagsbestand der japanischen Sprache eingegangen sind. Sie sind nicht zu Vierzeichenkombinationen geworden, sondern vielmehr verkürzt oder zu alltagssprachlichen Redewendungen geworden.

  • 蛇足 dasoku von   畫蛇添足 huàshé-tiānzú (Zhanguoce): dies ist die berühmte Geschichte vom Schlangenfuß. Einem Tempel im Staate Chu wurde ein Krug Wein gespendet. Anstatt den Wein gleichmäßig unter den Mönchen aufzuteilen, wurde jedoch vereinbart, einen Wettbewerb abzuhalten: Wer als erster eine Schlange auf dem Tempelboden fertigmalen würde, sollte den Krug ganz bekommen. Als der erste Mönch fertig war, wurde er so übermütig, daß er flugs noch vier Beine anfügte. Der Mönch aber, der als nächster fertig wurde, machte ihn den Krug erfolgreich mit der Begründung streitig, daß er gar keine Schlange gemalt habe, denn eine Schlange habe schließlich gar keine Füße! Dieses Wort bezeichnet etwas Überflüssiges, das das große Ganze gefährdet. Im Chinesischen ist das als Vierzeichen-Chengyu üblich, im Japanischen ist dies überhaupt nicht gebräuchlich und auf zwei Zeichen verkürzt.  Ein paar Chengyu, die vom Inhalt her in eine ähnliche Richtung gehen:「無中生有」,「多此一舉」、「弄巧反拙」
  • 五十歩百歩 gojippo hyappo von 五十步笑百步  wǔ shí bù xiào bǎi bù (Mencius): der König Hui von Jin beklagt sich bei Mencius, daß trotz seiner Maßnahmen, die seine Bürger besser behandelten als die seiner Nachbarstaaten, die Bürger dieser Staaten dennoch ihm nicht die Bude einrennen. Warum sei dies so? Da erzählt ihm Mencius ein Gleichnis, von zwei Gruppen vom Soldaten im Krieg. Die eine rennt 50 Schritte weg, die andere 100. Die Gruppe, die „nur“ 50 Schritte weggerannt ist, macht sich lustig über die, die 100 Schritte weggerannt sind. Mencius sagt, daß auch die vermeintlich so guten Maßnahmen des Königs doch nur eine Frage der Quantität seien, nicht eine der Qualität. Im Deutschen würde hier die Redewendung vom Glashaus passen, im Englischen sagt man auch „the pots calls the kettle black“.
  • 井の中の蛙大海をしらず i no naka no kawazu taikai o shirazu von 井底之蛙 jǐngdǐ zhī wā (Zhuangzi, Chunqiu). Dies ist eine Geschichte vom Geist des Gelben Flusses, der vor Demut erstarrt, als er zum erstenmal das Meer erblickt. Er sagt dem Geist des Nordmeeres, jetzt habe er endlich eine Ahnung von der Weite des Daos, denn das Meer sei vergleichbar grenzenlos. Daraufhin erklärt ihm der Geist des Nordmeeres, daß man schon wissen muß, worüber man spricht, ansonsten sei man wie der Frosch am Grunde des Brunnens, für den der Brunnen die ganze Welt darstellt. Im Japanischen wird das miteinander kombiniert zu „Der Frosch weiß nichts vom Ozean“. Im Chinesischen bezieht sich das auf Borniertheit, entweder eine bornierte Person, oder als Charakterzug.
  • 矛盾 mujun 自相矛盾 zìxiāng-máodùn (Han Feizi). Eine der bekanntesten Geschichten des chinesischen Altertums. Ich gebe die Geschichte erstmal im Original wieder, denn sie läßt sich relativ gut verstehen: “楚人有鬻盾与矛者,誉之曰:‘吾盾之坚,莫之能陷也。’又誉其矛曰:‘吾矛之利,于物无不陷也。’或曰:‘以子之矛陷子之盾,何如?’其人勿能应也。” Es gab einen Händler aus Chu, der sowohl Schild als auch Speer verkaufte, er lobte seinen Schild: ‚Mein Schild ist so hart, daß nichts ihn zerbrechen kann.‘ Dann wiederum lobte er seinen Speer: ‚Mein Speer ist so scharf, es gibt nichts, das er nicht durchbohren könnte.‘ Da fragte ihn jemand ‚Wie wäre es, wenn ich mit deinem Speer deinen Schild durchbohren wollte?‘ Darauf hatte der Händler keine Antwort.  Diese Geschichte wird im Japanischen immer zu zwei Zeichen abgekürzt, aber auch im Chinesischen ist  矛盾 recht häufig.
  • 漁夫の利 gyofu no ri (鷸蚌の争い ippō no arasoi鷸蚌相爭, 漁翁得利  yù bàng xiāng zhēng,yú wēng dé lì (Zhangguoce). Der König von Zhao wollte das benachbarte Reich Yan überfallen. Yan aber schickte Su Dai nach Zhao, um den König davon abzubringen. Su verwendete dabei das Gleichnis von der Kammuschel und der Schnepfe. Als die Muschel ihren Schale geöffnet hatte, steckte die Schnepfe ihren Schnabel hinein,während die Muschel sich mit aller Macht dagegen wehrte. Es schien keine Seite nachgeben zu wollen, bis einer Fischer daherkam und beide einsackte. Witzigerweise ist im Chinesischen eher der vordere Teil gebräuchlich 鷸蚌相爭 yù bàng xiāng zhēng, während es im Japanischen der hintere Teil ist: 漁夫の利 gyofu no ri. Im Deutschen in etwa „Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte“.
  • 推敲 suikō 推敲 tuīqiāo. Dies ist eine absolute Ausnahme, denn auch im Chinesischen sind es nur zwei Zeichen, und wird daher in vielen Wörterbüchern gar nicht als Chengyu anerkannt. Es handelt von dem Dichter Jia Dao aus der Tang-Zeit, der gerade beim Dichten war, und beim folgenden Vers sich nicht festlegen konnte, ob der Mönch die Tür nun schieben oder dort anklopfen sollte: „鳥宿池邊樹,僧推/敲月下門“ „Vögel lassen sich nieder auf dem Baum am See / der Mönch schiebt die/klopft an der Tür unter dem Mond“. Er war so sehr darin vertieft, daß er nicht sah, wie eine Prozession eines hohen Beamten des Weges kam, so daß er vollkommen unkonzentriert dort hineinstolperte. Der hohe Beamte war kein anderer als Han Yu, der auch als Dichter bekannt war, und eigentlich hätte Jia Dao mit dem Schlimmsten rechnen müssen, wäre es nicht für die poetische Ader der beiden Männer gewesen wäre. Sie kamen ins Plaudern und dann sagte ihm Han Yu, daß es sicherlich „klopfen“ sein sollte. Später nahm er Jia Dao in seinen Dichterzirkel auf. Von dieser Geschichte stammt dieses Wort, das soviel wie „überarbeiten“ bedeutet.

19. April 2009

Unterschiedliche Zeichenkombinationen im Japanischen und Chinesischen…

Posted in 日本語 um 2:21 pm von krisnawan

Steuererklärung und Reiseplan

  • Japanisch 申告書 shinkokusho vs. Chinesisch 申報書 shēnbàoshū
  • Japanisch 旅程 ryotei vs. Chinesisch 行程  xíngchéng

Entwicklungsländer und Industrienationen

Wenn die Rede von weniger entwickelten und mehr entwickelten Ländern ist, werden im Chinesischen anscheinend direkte Lehnübersetzungen ausn dem Englischen, also developing country und developed country. Es wird entweder das Wort 發展 fāzhǎn oder 開發 kāifā genommen, das progressive participle wird mit 中, und das perfect participle mit 已 „simuliert“. Das Japanische hingegen hat Begriffe, die keine direkten Lehnübersetzungen sind.

  • Entwicklungsland (developing country): japanisch 発展途上国 hattentojōkoku vs.  chinesisch 發展中國家  fāzhǎnzhōng guójiā  oder 開發中國家 kāifāzhōng guójiā 
  • Industrienation (developed country): japanisch 先進国 senshinkoku vs. chinesisch 已發展國家 yǐ fāzhǎn guójiā  oder 已開發國家  yǐ kāifā guójiā

 

Subsidiaritätsprinzip

Ein aus dem Verfassungsrecht bekannter Begriff. Im Japanischen ist die Übersetzung 補完性原理 hokanseigenri üblich. Im Chinesischen scheint diese Variante am ehesten verwendet zu werden: 輔助(性)原則 fuzhù(xìng)yuánzé. In diesem politikwissenschaftlichen Text von Academia Sinica gibt es in Fußnote 4 noch den Hinweis, daß zudem ein Politologe 輔充原則 fuchongyuánzé verwenden würde. Aber im großen und ganzen scheint 輔助(性)原則 im Chinesischen zu dominieren.
 

10. April 2009

Ginkgo

Posted in Übersetzung, Fehler, Interferenz, Synonymie, 兩字組, 日本語 um 11:49 pm von krisnawan

Auf einer ziemlich interessanten Webseite mit vielen Beiträgen zu sprachlichen Themen fiel mir etwas sehr Interessantes auf: das Wort für Ginkgo ist aus dem Japanischen ins Englische bzw. Deutsche entlehnt worden, doch gibt es im Japanischen kein Wort mit dieser Bedeutung, das von der Aussprache her in irgendeiner Weise hieran erinnert. Das Wort für Ginkgo im Japanischen wird nämlich 銀杏 „silberne Aprikose“ geschrieben, jedoch auf zweierlei Weise ausgesprochen: ichō für den Ginkgo-Baum, und ginnan für die Ginkgo-Frucht. Es handelt sich offensichtlich um einen Lesefehler, denn das Zeichen 銀 wird in der Tat im Japanischen gin ausgesprochen (yín im Chinesischen), und 杏 sieht dem Zeichen 古 ko „alt“ ziemlich ähnlich. Allerdings führt dies irre, die japanische Aussprache ist nämlich an, und im Chinesischen entsprechend xìng. Im Japanischen wäre dann eine Aussprache gin’an zu erwarten, aber in einem 連星 renjo genannten phonologischen Prozeß tritt bei einem bei einer auf Vokal anlautender, direkt einem silbenfinalen Nasal folgender Silbe ein zusätzliches n auf: ginnan (dasselbe Prinzip steckt hinter dem Wort 天皇 (eigentlich 天王), welches ten’ō erwarten ließe, tatsächlich aber tennō ergibt).

Was aber mit ichō? Hierbei handelt es sich um eine Aussprache, die mit den Schriftzeichen überhaupt nichts zu tun hat. Eine weitere Bezeichnung für Ginkgo im Chinesischen neben 銀杏 yínxìng ist  鴨腳 yājiǎo „Entenfuß“, welche aber eher zur Ming-Zeit gebräuchlich gewesen ist. Das japanische Wort ist eine Entlehnung hiervon, die sich an der damaligen konkreten Aussprache orientiert (wie 餃子 gyōza) und nicht an der japanischen Leseaussprache, die in diesem Fall ōkyaku wäre. Später wurde dieses Wort volksetymologisch als 一葉 ichiyō erklärt, aber schließlich mit der Schriftzeichenkombination für ginnan, eben 銀杏, geschrieben. Insofern ist es kein Wunder, daß bei der Entlehnung in die europäische Sprachen solche Übertragungsfehler passierten, die Situation im Japanischen ist ja schon unglaublich verworren.

Im Chinesischen gibt es noch weitere, seltener gebrauchte Bezeichnungen: 「白果」、「佛指甲」﹑「公孫樹」.

23. März 2009

Todestag

Posted in Übersetzung, Wortfeld, 兩字組, 日本語 um 7:42 am von krisnawan

wieder ein Wort, bei dem die Sprachen abweichen. Das Japanische verwendet das Wort 命日 meinichi, im Chinesischen heißt es aber interessanterweise 忌日 jìrì. Dies ist homonym mit dem im Chinesischen kaum verwendeten 祭日 (es sei denn, als mögliche Abkürzung für „祭拜的日子“). Dieses Wort wiederum, saijitsu gesprochen, ist es äußerst wichtiges Wort im Japanischen, etwa soviel wie „Festtag, Feiertag“ bedeutet. Dies wird im Chinesischen wiederum mit 節日 jiérì wiedergegeben. Verwirrend, aber so ist es nun mal…

Turbulenzen…

Posted in Übersetzung, 兩字組, 日本語 um 3:39 am von krisnawan

derentwegen manchen an Bord eines Flugzeugs schlecht wird (暈機 yūnji/yùnjī). In Japan heißt es 乱流 ranryū, weswegen es in Taiwan auch 亂流 luànliú heißt. Es gibt aber auch noch genuin chinesische Ausdrucksweisen, 湍流 tuānliú und 紊流 wěnliú, die vor allem auf der anderen Seite der Meerenge üblich sind, aber teils auch in Taiwan.

19. März 2009

Memoiren

Posted in Übersetzung, Synonymie, 兩字組, 日本語 um 5:47 am von krisnawan

Auf Japanisch ist das 回想録 kaisōroku oder 回顧録 kaikoroku. Auf chinesisch jedoch 回憶錄 huíyìlù. Biographien bzw. Autobiographien werden im Japanischen und Chinesischen mit den gleichen Zeichen bezeichnet, 伝記 denki/傳記 zhuànjì bzw. 自伝 jiden/自傳 zìzhuàn.

18. März 2009

Chengyu aus der chinesischen Geschichte

Posted in Geschichte, Kultur, 四字組, 成語, 日本語 um 6:59 pm von krisnawan

Die schon vorher erwähnte japanische Webseite zum Chinesischlernen mit Chengyu hat eine Reihe von „klassischen“, der chinesischen Geschichte entnommen Chengyu. Diese können alle als weitläufig bekannt gelten, werden aber nicht unbedingt häufig in der täglichen Sprache verwendet, da sich manche von ihnen auf ganz spezielle Ereignisse beziehen, die sich nicht gut auf andere Situationen übertragen lassen. Ich habe die Chengyu in chronologischer Weise angeordnet.

  • 酒池肉林 jiǔchíròulín „Seen aus Wein und Wälder aus Fleisch“: Beschreibt die Dekadenz des Yin-Reiches: Mit zum Fall des letzten Königs der Yin (auch Shang genannt) soll dessen Dekadenz beigetragen haben: so berichten die Geschichtsschreiber, daß dieser Seen ausheben und diese mit Wein füllen ließ und dann an diesen Seen verschiedene Stücken an Fleisch aufhängen ließ, wie ein Wald aus Fleisch. Bei dieser Beschreibung darf man allerdings nicht vergessen, daß wie in der Geschichte des westlichen Altertums auch hier der Sieger die Geschichte schreibt…
  • 臥薪嘗膽 wòxīnchángdǎn „auf Feuerholz schlafen und Galle trinken“, „lange Entbehrungen auf sich nehmen bis zum Erfolg“: Aus der Zeit der Frühling- und Herbstannalen, 5. Jh. v.Chr. Das Zhou-Königreich trat die Nachfolge des Yin-Königreichs an, doch zeigten sich bald Risse in seiner Herrschaft, in der Zeit der Frühling- und Herbstannalen erschienen eine Reihe von kleineren und größeren Fürstentümern, die nominell Vasallen des Königs von Zhou waren, sich aber immer unabhängiger gerierten. Während dieser Zeit stritten diese Fürstentümer, von denen die größeren sich auch gern als Königreiche bezeichneten, zunächst untereinander um die Vorherrschaft. Zwei dieser Reiche waren Wu und Yue. Bevor der König von Wu an den Folgen eines Giftpfeils der Yue verstarb, schärfte er seinem Sohn und Nachfolger ein, nie zu vergessen, daß es der König von Yue war, der die Schuld daran trug. Nachdem der Sohn den Thron bestieg, schlief er jede Nacht auf einem Stapel Feuerholz, um sich daran zu erinnern. Bald schon hatte er Gelegenheit, den Tod seines Vaters zu rächen und nahm den König von Yue gefangen, ließ ihn aber nicht umbringen, sondern ließ ihn nach ein paar Jahren demütigender Knechtschaft wieder ziehen. Um diese Demütigung aber nicht zu vergessen, zwang sich der König von Yue wiederum, jeden Tag bittere Galle zu trinken. Nach zehn Jahren hatte er Yue entsprechend gestärkt, daß er wiederum in den Krieg gegen Wu ziehen konnte und schließlich den König von Wu töten konnte. In Japan kam dieses Wort 1895 auf, als nach dem japanischen Sieg über Qing mit der Triple-Intervention Rußland, Frankreich und Deutschland verhinderten, daß Japan die Halbinsel Liaodong in Anspruch nehmen konnte. Es mußte sich schließlich mit Taiwan begnügen, und der Zorn der japanischen Regierung richtete sich vor allem auf Rußland. Nach 10 Jahren jedoch kam es zum Russisch-Japanischen Konflikt, in dem Japan siegreich war.
  • 孟母三遷 Mèngmǔ-sānqiān: „die Mutter des Mencius zieht dreimal um, um dem Sprößling die bestmögliche Ausbildung angedeihen zu lassen“. Mencius war einer der wichtigsten Schüler des Konfuzius, aber bevor er zu einem solchen Gelehrten werden konnte, mußte er zunächst seine Kindheit überstehen. Die Legende besagt, daß seine Mutter sehr großen Wert auf die Ausbildung ihres Sohnes legte. Zunächst wohnten sie in der Nähe eines Friedhofs, so daß der Junge häufig Beerdigungen nachspielte, was der Mutter nicht gefiel, so daß sie umzogen. Dort wohnten sie jedoch in Nähe eines Marktes, so daß er häufig Geschäftemachen spielte, was auch nicht gut war. Schließlich zogen sie in die Nähe einer Schule, und die Mutter war es zufrieden.
  • 孟母斷機 Mèngmǔ-duànjī (auch 斷機教子) „die Mutter des Mencius bricht den Webkamm ab“: Mencius bricht seine Ausbildung mittendrin ab. Nachdem Mencius zum Jüngling geworden war, wurde er, wie es Sitte war, fortgeschickt, um bei wichtigen Gelehrten direkt zu lernen. Eines Tages aber kam er urplötzlich nach Hause und traf seine Mutter im Haus am Webstuhl arbeitend an. Erstaunt fragt diese ihn, was mit seinen Studien sei, und er sagte, er habe sie so vermißt und sei daher wiederzurückgekehrt. Resolut bricht die Mutter dann den Webkamm mitsamt dem Stück Stoff, das sie am Weben war, um ihrem Sohn so zu zeigen, daß man sein Studium, genauso wie das Weben, nicht ohne weiteres mittendrin unterbrechen könne. (Ein viel häufiger gebrauchtes Chengyu, das eine ähliche, aber allegemeinere Bedeutung hat, ist 半途而廢). Diese beiden Geschichten von Mencius‘ Mutter werden auch unter dem Chengyu 斷機擇鄰 zusammengefaßt und bezeichnen den großen Einsatz der Mutter für die Ausbildung ihres Sohnes.
  • 焚書坑儒 fénshūkēngrú: der erste Qin-Kaiser läßt Bücher verbrennen und ihm mißliebige (konfuzianische) Gelehrte bei lebendigem Leibe begraben. Der erste Kaiser, der China zu einem starken Reich vereinigte, stand unter dem Einfluß von legalistischen Gelehrten, die ihn mehr und mehr gegen die Konfuzianer aufbrachten, was schließlich im Verbot und Verbrennung vor allem konfuzianischer, aber auch anderer mißliebiger Werke mündete. Die Begrabung der Gelehrten soll sich zugetragen haben, nachdem der Kaiser, der auf der Suche nach der Unsterblichkeit war, von betrügerischen Gelehrten ausgenutzt worden war. Diejenigen, die Unsummen an Geld für die Entwicklung einer Tinktur erhalten hatten, waren selbstredend über alle Berge, aber er ließ dafür dennoch an 460 meist konfuzianischen Gelehrten ein Exempel statuieren und diese bei lebendigen Leibe begraben. Später wurde dieses Wort für extreme Unterdrückung von Meinungsfreiheit verwendet, wie z.B. die Bücherverbrennung unter den Nazis oder auch die Kulturrevolution.
  • 四面楚歌 sìmiàn-Chǔgē „Gesang von Chu von allen vier Seiten“: Xiang Yu und Liu Bang streiten um das Erbe des Qin-Reiches: dies stellt das Ende des Machtkampfes zwischen den beiden Seiten dar, Xiang Yu, der die Truppen der Chu anführt, ist von den Truppen des Liu Bang, der später das Han-Reich begründen sollte, eingekesselt („vier Seiten“). In dieser Situation bedient sich Han Xin, der in dieser Schlacht die Han-Truppen anführt, einer List: er läßt die gefangen genommenen Chu-Soldaten  über alle Seiten verteilen und Lieder von Chu singen.  Dies erinnerte die noch im Kampf befindelichen Chu-Truppen an ihr Zuhause und nahm ihnen die Motivation zum Kämpfen und gab auch Xiang Yu den Eindruck, daß ganz Chu entweder überrannt oder übergelaufen war und beging schließlich Selbstmord. Dieses Wort kann in einer Situation verwendet werden, wenn man von allen Seiten eingekreist ist, bzw. wenn man von allen Verbündeten verraten und verlassen wurde und allein gegen eine feindliche Übermacht ansteht.
  • 夜郎自大 Yèláng-zìdà „Yelang hält sich für etwas Großes“:  das Han-Reich bestand knapp 400 Jahre, und in der Zeit gab es an dessen Peripherie ein paar kleinere Reiche, darunter auch Yelang auf dem Gebiet des heutigen Yunnan. Der Fürst von Yelang war dem Han-Reich ein Dorn im Auge, aber anfänglich ließ man ihn gewähren. Einmal soll der Fürst die Gesandten des Kaisers herausgefordert haben und sie gefragt haben, welches größer sei, Han oder Yelang. Später sollte Han dem kleinen Reich ein Ende bereiten. Dieses Wort bezeichnet eine grandiose Selbstüberschätzung mit einer gehörigen Portion an arroganter Ignoranz.
  • 三顧草蘆 sāngùcǎolú/三顧茅蘆 sāngùmáolú „dreimal die Gras-/Reet-hütte besuchen“: Zeit der Drei Reiche, nachdem das Han-Reich unterging, kamen drei Reiche auf, die um die Vorherrschaft kämpften, was in dem historischen Roman „Geschichte der Drei Reiche“ unsterblich gemacht wurde.  Einer der drei Reiche war unter der Herrschaft von Liu Bei, der den klugen Strategn Zhuge Liang bitten wollte, in seine Dienste zu treten. Dieser zierte sich jedoch und zog es vor, in einer abgelegenen Region seinen Acker zu bestellen und seinen Studien nachzugehen. Dann aber reiste Liu Bei persönlich, zusammen mit seinen engsten Mitstreitern, in die abgelegene Region zur Hütte (die je nach Version entweder gras- oder reetgedeckt war) von Zhuge, und sprach insgesamt dreimal bei ihm vor, bis er sich schließlich erweichen ließ. Er sollte zu einem der wichtigsten Strategen und Heerführer Liu Beis werden. Im heutigen Kontext kann dieses Wort z.B. im Zusammenhang mit Unternehmen verwendet werden, die keinen Mühen scheuen, um talentierten Nachwuchs einzustellen.
  • 風聲鶴唳 fēngshēnghèlì „Laut des Windes und Ruf des Kranichs“: Östliche Jin. Nach den Wirren der Drei Reiche der Nach-Han-Zeit hatte schließlich Jin alle drei Reiche besiegt und das Land wiedervereinigt, doch schon 50 Jahre später mußte Jin den Norden aufgeben, der nach einigen Wirren schließlich unter den Früheren Qin vereinigt wurde. Im Jahre 383 dann zog der Kaiser der Früheren Qin mit  mehr als 500.000 Soldaten gen Süden (die Truppen so zahlreich, daß sie den Fluß stauen würden, wenn sie alle ihre Peitschen ins Wasser werfen würden 投鞭斷流), um den Östlichen Jin den Garaus zu machen.  Die Östlichen Jin hatten nur 80.000 Truppen aufzubieten, konnten sich aber erfolgreich den Methoden der psychologischen Kriegsführung zu bedienen, um die Angreifer zu demoralisieren. Diese waren so verunsichert, daß sie nachher auch die Gräser für feindliche Soldaten hielten (草木皆兵). Zudem waren die Truppen von Jin auch besser ausgebildet und genährt, so daß trotz einer riesigen Übermacht die Jin eine der wichtigsten Schlachten der chinesischen Geschichte, die Schlacht vom Fei-Fluß, gewannen und sich so ihre Unabhängigkeit bewahren konnten. Die unterlegenen Qin-Truppen flohen indes zurück in den Norden und waren so schreckhaft, daß Windgeräusche und Vogelgeräusche sie in Angst und Schrecken versetzten. Dieses Wort steht also für ein extrem schreckhafte Gruppe von Menschen, die in allem eine Gefahr wittern. Manchmal wird es auch kombiniert zu 風聲鶴唳, 草木皆兵.
  • 畫龍點睛 huàlóngdiǎnjīng „beim Malen eines Drachens die Augen malen, ein Meisterwerk abschließen“: Aus der Zeit des Südlichen und Nördlichen Dynastien, die nach dem Untergang der Östlichen Jin in Nord und Süd eine Zeit der politischen Unruhen darstellten, in denen aber Kunst und Wissenschaft eine bis dato nie gekannte Blüte erfuhren. Dazu gehörte auch die Malerei, und einer dieser Maler war Zhang Sengyao, der unter den Südlichen Liang in Wu gelebt haben soll. Einmal wurde er beauftragt, in einem Tempel im heutigen Nanjing vier Drachen zu malen, was er auch tat, jedoch ohne die Augen zu malen. Als er nach dem Grund gefragt wurde, sagte er, daß seine Malerei so lebensecht sei, daß die Drachen zum Leben erwachen und davonfliegen würden, wenn er die Augen hinzufügen würde. Die Legende besagt, daß er dies tatsächlich auf Aufforderung bei einem der vier Drachen tat und dieser prompt davonflog. Dieses Wort kann entweder bedeuten, daß man ein Meisterwerk abschließt und es sozusagen zum Leben erwacht, auch im Sinne von „mit einem kleinen Federstrich ein Meisterwerk fertigstellen“, das i-Tüpfelchen also. Im übertragenen Sinne kann es auch bedeuten, mit wenigen Worten eine wichtige Aussage zu treffen, „to drive home the point otherwise difficult to explain“ sozusagen.

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