10. Mai 2009

Chinesische Chengyu im Japanisch-Unterricht

Posted in 兩字組, 四字組, 成語, 日本語 um 5:30 am von krisnawan

Die japanische Kultur und Sprache war intensiven chinesischen Einflüssen ausgesetzt, was natürlich auch für das Studium der chinesischen Klassiker inkl. der Chengyu angeht. Heutzutage jedoch sind viele Chengyu im Japanischen jetzt hochliterarischen Sprachregistern vorbehalten, trotz der Bemühungen von Webseiten wie dieser hier. Allerdings gibt es auch ein paar berühmte Sentenzen, die in den festen Alltagsbestand der japanischen Sprache eingegangen sind. Sie sind nicht zu Vierzeichenkombinationen geworden, sondern vielmehr verkürzt oder zu alltagssprachlichen Redewendungen geworden.

  • 蛇足 dasoku von   畫蛇添足 huàshé-tiānzú (Zhanguoce): dies ist die berühmte Geschichte vom Schlangenfuß. Einem Tempel im Staate Chu wurde ein Krug Wein gespendet. Anstatt den Wein gleichmäßig unter den Mönchen aufzuteilen, wurde jedoch vereinbart, einen Wettbewerb abzuhalten: Wer als erster eine Schlange auf dem Tempelboden fertigmalen würde, sollte den Krug ganz bekommen. Als der erste Mönch fertig war, wurde er so übermütig, daß er flugs noch vier Beine anfügte. Der Mönch aber, der als nächster fertig wurde, machte ihn den Krug erfolgreich mit der Begründung streitig, daß er gar keine Schlange gemalt habe, denn eine Schlange habe schließlich gar keine Füße! Dieses Wort bezeichnet etwas Überflüssiges, das das große Ganze gefährdet. Im Chinesischen ist das als Vierzeichen-Chengyu üblich, im Japanischen ist dies überhaupt nicht gebräuchlich und auf zwei Zeichen verkürzt.  Ein paar Chengyu, die vom Inhalt her in eine ähnliche Richtung gehen:「無中生有」,「多此一舉」、「弄巧反拙」
  • 五十歩百歩 gojippo hyappo von 五十步笑百步  wǔ shí bù xiào bǎi bù (Mencius): der König Hui von Jin beklagt sich bei Mencius, daß trotz seiner Maßnahmen, die seine Bürger besser behandelten als die seiner Nachbarstaaten, die Bürger dieser Staaten dennoch ihm nicht die Bude einrennen. Warum sei dies so? Da erzählt ihm Mencius ein Gleichnis, von zwei Gruppen vom Soldaten im Krieg. Die eine rennt 50 Schritte weg, die andere 100. Die Gruppe, die „nur“ 50 Schritte weggerannt ist, macht sich lustig über die, die 100 Schritte weggerannt sind. Mencius sagt, daß auch die vermeintlich so guten Maßnahmen des Königs doch nur eine Frage der Quantität seien, nicht eine der Qualität. Im Deutschen würde hier die Redewendung vom Glashaus passen, im Englischen sagt man auch „the pots calls the kettle black“.
  • 井の中の蛙大海をしらず i no naka no kawazu taikai o shirazu von 井底之蛙 jǐngdǐ zhī wā (Zhuangzi, Chunqiu). Dies ist eine Geschichte vom Geist des Gelben Flusses, der vor Demut erstarrt, als er zum erstenmal das Meer erblickt. Er sagt dem Geist des Nordmeeres, jetzt habe er endlich eine Ahnung von der Weite des Daos, denn das Meer sei vergleichbar grenzenlos. Daraufhin erklärt ihm der Geist des Nordmeeres, daß man schon wissen muß, worüber man spricht, ansonsten sei man wie der Frosch am Grunde des Brunnens, für den der Brunnen die ganze Welt darstellt. Im Japanischen wird das miteinander kombiniert zu „Der Frosch weiß nichts vom Ozean“. Im Chinesischen bezieht sich das auf Borniertheit, entweder eine bornierte Person, oder als Charakterzug.
  • 矛盾 mujun 自相矛盾 zìxiāng-máodùn (Han Feizi). Eine der bekanntesten Geschichten des chinesischen Altertums. Ich gebe die Geschichte erstmal im Original wieder, denn sie läßt sich relativ gut verstehen: “楚人有鬻盾与矛者,誉之曰:‘吾盾之坚,莫之能陷也。’又誉其矛曰:‘吾矛之利,于物无不陷也。’或曰:‘以子之矛陷子之盾,何如?’其人勿能应也。” Es gab einen Händler aus Chu, der sowohl Schild als auch Speer verkaufte, er lobte seinen Schild: ‚Mein Schild ist so hart, daß nichts ihn zerbrechen kann.‘ Dann wiederum lobte er seinen Speer: ‚Mein Speer ist so scharf, es gibt nichts, das er nicht durchbohren könnte.‘ Da fragte ihn jemand ‚Wie wäre es, wenn ich mit deinem Speer deinen Schild durchbohren wollte?‘ Darauf hatte der Händler keine Antwort.  Diese Geschichte wird im Japanischen immer zu zwei Zeichen abgekürzt, aber auch im Chinesischen ist  矛盾 recht häufig.
  • 漁夫の利 gyofu no ri (鷸蚌の争い ippō no arasoi鷸蚌相爭, 漁翁得利  yù bàng xiāng zhēng,yú wēng dé lì (Zhangguoce). Der König von Zhao wollte das benachbarte Reich Yan überfallen. Yan aber schickte Su Dai nach Zhao, um den König davon abzubringen. Su verwendete dabei das Gleichnis von der Kammuschel und der Schnepfe. Als die Muschel ihren Schale geöffnet hatte, steckte die Schnepfe ihren Schnabel hinein,während die Muschel sich mit aller Macht dagegen wehrte. Es schien keine Seite nachgeben zu wollen, bis einer Fischer daherkam und beide einsackte. Witzigerweise ist im Chinesischen eher der vordere Teil gebräuchlich 鷸蚌相爭 yù bàng xiāng zhēng, während es im Japanischen der hintere Teil ist: 漁夫の利 gyofu no ri. Im Deutschen in etwa „Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte“.
  • 推敲 suikō 推敲 tuīqiāo. Dies ist eine absolute Ausnahme, denn auch im Chinesischen sind es nur zwei Zeichen, und wird daher in vielen Wörterbüchern gar nicht als Chengyu anerkannt. Es handelt von dem Dichter Jia Dao aus der Tang-Zeit, der gerade beim Dichten war, und beim folgenden Vers sich nicht festlegen konnte, ob der Mönch die Tür nun schieben oder dort anklopfen sollte: „鳥宿池邊樹,僧推/敲月下門“ „Vögel lassen sich nieder auf dem Baum am See / der Mönch schiebt die/klopft an der Tür unter dem Mond“. Er war so sehr darin vertieft, daß er nicht sah, wie eine Prozession eines hohen Beamten des Weges kam, so daß er vollkommen unkonzentriert dort hineinstolperte. Der hohe Beamte war kein anderer als Han Yu, der auch als Dichter bekannt war, und eigentlich hätte Jia Dao mit dem Schlimmsten rechnen müssen, wäre es nicht für die poetische Ader der beiden Männer gewesen wäre. Sie kamen ins Plaudern und dann sagte ihm Han Yu, daß es sicherlich „klopfen“ sein sollte. Später nahm er Jia Dao in seinen Dichterzirkel auf. Von dieser Geschichte stammt dieses Wort, das soviel wie „überarbeiten“ bedeutet.

6. Mai 2009

24 chengyu from the Classics

Posted in English, Liste, 成語 um 3:40 am von krisnawan

This is about a list of chengyu posted by the user Noir on the Chinese forum of unilang. I like to comment on other people’s chengyu lists, so here goes. Please read his 24 postings under this thread first, it will make understanding my comments easier.

I liked Noir’s list a lot, but I’m also interested in modern usage. That’s why I have tried to check whether and how the chengyu chosen by him are used in Modern Mandarin and Modern Japanese.

Some remarks

Chinese

As far as the pinyin goes, I have tried following the rules set out in the book Chinese Romanization – Pronunciation & Orthography. The bit about chengyu is accessible online here.

As far as whether the chengyu in question is commonly used or not, I consulted two sources:

  1. The Far-Eastern Chinese-English Dictionary (4,000 characters with 40,000 entries) had 6 out of 24: 同舟共濟 (1), 靑出於藍 (4), 四面楚歌 (9), 刮目相看 (13), 溫故知新 (15), 他山之石 (20)
  2. Each form was assigned a number signifying in how many sources the form appears. A high number doesn’t necessarily mean that it is all that frequently used in daily speech, and some commonly used forms may fall by the wayside if they’re not considered by all sources to be chengyu. The numbers appear throughout the text under the rubric of “MOE Index”.  However, I think it is fair to say that any form that does not appear in this list can safely be regarded as obscure from the Chinese point of view.

Japanese

In Japanese, most Chinese idioms are part of the highly literary language, the number of Chinese idioms that appear in colloquial speech are exceedingly low. However, there are two possibilities for the Chinese idioms  to be rendered into Japanese: either as four-character-combinations (in Japanese the term yojijukugo 四字熟語 ‘four-character compounds’ is preferred  over seigo成語) or in a peculiar type of Sinicised Japanese, which is also known as 和漢混交文 wakan-konkōbun, which I will point out throughout the text.

As far as frequency goes, since they’re much less frequently used to begin with, I have checked a drill book used by Japanese high school students to prepare for their university entrance exams, which happened to have a list of 139 key yojijukugo, classified into four levels of difficulty: 39 ‘basic’, 50 ‘very important’, 29 ‘important’ and 22 ‘difficult’ ones. From the 24 presented by Noir so far, four were on the list: 吳越同舟 (1) ‘important’, 曲學阿世 (2) ‘difficult’,  巧言令色 (5) ‘very important’ and溫故知新 (15) ‘very important’.

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27. April 2009

Die wichtigsten 破音字

Posted in 破音字 um 7:55 am von krisnawan

破音字 oder 多音字 werden Schriftzeichen genannt, die mehr als eine Lesart haben. Es gibt tausende von ihnen, wobei es sich bei den meisten um obskure Spezialaussprachen handelt, d.h. im Alltag werden sie meist nur auf eine Weise gelesen.  Es gibt jedoch auch 破音字, deren Lesartvarianten unbedingt auseinanderzuhalten sind. Auf dieser Webseite sind in Quizform die 100 wichtigsten aufgeführt. Von diesen 100 habe ich nun diejenigen aufgeführte, deren Aussprachevarianten nicht nur im Ton, sondern auch im An- oder Auslaut abweichen.  In Klammern stehen für die jeweilige Aussprachevariante typischen Zeichenkombinationen, mit der Ausnahme von Funktionswörtern, die entsprechend mit einem Asterisk markiert sind. BJ steht für Peking-Mandarin und TW für Taiwan-Mandarin. (Hinweis: diese Liste soll in Zukunft überarbeitet und mit genaueren Erläuterungen versehen werden)

  • 便 pián (便宜), biàn (方便)
  • pán (心廣體胖), pàng (發胖)
  • mái (埋葬,埋首), mán (埋怨)
  • méi* (沒有), (埋沒,沈沒)
  • 否 fŏu (否認,是否), (否極泰來)
  • de*, (的確), (目的)
  • dàn (子彈), tán (彈琴,彈性)
  • dĕi*, de* (oft durch 的 ersetzt), (得到,得不償失)
  • dōu*, (都市)
  • (大學), dài (大夫)
  •  (度假), duó (BJ)/duò (TW) (度得量力,量度)
  • 調 tiáo (調皮,調整), diào (調查,調職)
  • yuè (音樂), (快樂), yào (樂群)
  • le*, liăo (終了,了不起)
  • (露營,露水), lòu (露臉,露白,露出馬腳)
  • gĕi*, (給予,自給自足)
  • gān (乾脆,乾淨), qián (扭轉乾坤)
  • guī (老龜), jūn (龜裂)
  • hàn* (nur TW, in BJ ), hé(*) (和平), huó (BJ)/huò (TW) (和麵,暖和), hè (唱和)
  • hái*, huán (歸還)
  • huì(*) (會議), huĭ (一會兒), kuài (會計)
  • jiàng (降落,降價), xiáng (投降)
  • jué (覺得,感覺), jiào (睡覺)
  • 藉  jiè (藉口), (杯盤狼藉)
  • qiáng (堅強), qiăng (勉強), jiàng (倔強)
  • (繫上), (聯繫)
  • 奇: (奇怪), (奇數)
  • xiào (學校), jiào (校正)
  • xià (嚇人,嚇唬), (恐嚇)
  • xíng (行為), xìng (德行, auch xíng), háng (銀行)
  • 着/著 zhe*, zhuó (衣著), zháo (著迷,著想 (zhuó in BJ)), zhù (著名,著作), zhāo (著急 (zháo in BJ), 著數).
  • cháng (長久), zhăng (長大,部長)
  • zhòng (重要,體重), chóng (重複,重慶)
  • zhé (打折廉售), shé (折本), zhē (折騰)
  • chī (吃飯), (口吃 auch chī)
  • chēng (稱呼,稱讚,自稱), chèn (稱心如意, auch chèng)
  • 數: shù (數量,數字,數以萬計,數十年如一日), shŭ (倒數,數一數二), shuò (數見不鮮)
  • 朝: cháo (朝廷,朝代), zhāo (朝夕,朝令夕改,朝不保夕,朝九晚五)
  • 傳: chuán (傳統,傳播), zhuàn (傳記,自傳)
  • 差: chā (差別), chāi (差事,出差), (參差不齊 cēncī-bùqí)
  • 盛: shèng (盛情(難卻),盛大,盛名(之累),盛況空前), chéng (盛盤)
  • 率: (比率), shuài (率先,率領)
  • 沈: chén (沉默(寡言),沉沒,沉思,沉醉), Shĕn (Familienname)
  • 省: shĕng (結省), xĭng (反省)
  • 卒: (兵卒,一兵一卒), (倉卒 auch 倉促)
  • 參: cān (參加), shēn (人參), cēn (參差不齊 cēncī-bùqí)
  • 思: (思想), sāi (滿臉于思)
  • 咽: yān (咽喉), yàn (下咽, auch 下嚥), (哽咽(失聲), auch yàn)
  • 地: (地方), de* (oft durch 的 ersetzt)
  • 噱 (aus dem Wu): jué (發噱), xuè (噱頭)
  • cóng(*) (從來), cōng (從容不迫), zòng (從犯,僕從), in BJ alle cóng
  • è (惡性), (可惡)
  • (紮緊), zhā (紮營), in TW alle zhá
  • tùn (倒褪), tuì (褪色,褪衣), in TW alle tùn
  • bào (暴力), (暴露), in BJ alle bào
  • 削: xiāo (削麵), xuē BJ/ xuè TW (削除,削減,削髮為尼削足適履)
  • 勒: (勒住,勒索,勒贖), lēi (勒死,勒緊褲帶)
  • 屏: píng (屏風,屏障,屏東), bĭng (屏除,屏棄)
  • 緝: (緝獲/通緝犯), qī (緝邊) in TW alle
  • 廈: xià (廈門), shà (大廈), in TW alle xià

19. April 2009

Unterschiedliche Zeichenkombinationen im Japanischen und Chinesischen…

Posted in 日本語 um 2:21 pm von krisnawan

Steuererklärung und Reiseplan

  • Japanisch 申告書 shinkokusho vs. Chinesisch 申報書 shēnbàoshū
  • Japanisch 旅程 ryotei vs. Chinesisch 行程  xíngchéng

Entwicklungsländer und Industrienationen

Wenn die Rede von weniger entwickelten und mehr entwickelten Ländern ist, werden im Chinesischen anscheinend direkte Lehnübersetzungen ausn dem Englischen, also developing country und developed country. Es wird entweder das Wort 發展 fāzhǎn oder 開發 kāifā genommen, das progressive participle wird mit 中, und das perfect participle mit 已 „simuliert“. Das Japanische hingegen hat Begriffe, die keine direkten Lehnübersetzungen sind.

  • Entwicklungsland (developing country): japanisch 発展途上国 hattentojōkoku vs.  chinesisch 發展中國家  fāzhǎnzhōng guójiā  oder 開發中國家 kāifāzhōng guójiā 
  • Industrienation (developed country): japanisch 先進国 senshinkoku vs. chinesisch 已發展國家 yǐ fāzhǎn guójiā  oder 已開發國家  yǐ kāifā guójiā

 

Subsidiaritätsprinzip

Ein aus dem Verfassungsrecht bekannter Begriff. Im Japanischen ist die Übersetzung 補完性原理 hokanseigenri üblich. Im Chinesischen scheint diese Variante am ehesten verwendet zu werden: 輔助(性)原則 fuzhù(xìng)yuánzé. In diesem politikwissenschaftlichen Text von Academia Sinica gibt es in Fußnote 4 noch den Hinweis, daß zudem ein Politologe 輔充原則 fuchongyuánzé verwenden würde. Aber im großen und ganzen scheint 輔助(性)原則 im Chinesischen zu dominieren.
 

10. April 2009

Ginkgo

Posted in Übersetzung, Fehler, Interferenz, Synonymie, 兩字組, 日本語 um 11:49 pm von krisnawan

Auf einer ziemlich interessanten Webseite mit vielen Beiträgen zu sprachlichen Themen fiel mir etwas sehr Interessantes auf: das Wort für Ginkgo ist aus dem Japanischen ins Englische bzw. Deutsche entlehnt worden, doch gibt es im Japanischen kein Wort mit dieser Bedeutung, das von der Aussprache her in irgendeiner Weise hieran erinnert. Das Wort für Ginkgo im Japanischen wird nämlich 銀杏 „silberne Aprikose“ geschrieben, jedoch auf zweierlei Weise ausgesprochen: ichō für den Ginkgo-Baum, und ginnan für die Ginkgo-Frucht. Es handelt sich offensichtlich um einen Lesefehler, denn das Zeichen 銀 wird in der Tat im Japanischen gin ausgesprochen (yín im Chinesischen), und 杏 sieht dem Zeichen 古 ko „alt“ ziemlich ähnlich. Allerdings führt dies irre, die japanische Aussprache ist nämlich an, und im Chinesischen entsprechend xìng. Im Japanischen wäre dann eine Aussprache gin’an zu erwarten, aber in einem 連星 renjo genannten phonologischen Prozeß tritt bei einem bei einer auf Vokal anlautender, direkt einem silbenfinalen Nasal folgender Silbe ein zusätzliches n auf: ginnan (dasselbe Prinzip steckt hinter dem Wort 天皇 (eigentlich 天王), welches ten’ō erwarten ließe, tatsächlich aber tennō ergibt).

Was aber mit ichō? Hierbei handelt es sich um eine Aussprache, die mit den Schriftzeichen überhaupt nichts zu tun hat. Eine weitere Bezeichnung für Ginkgo im Chinesischen neben 銀杏 yínxìng ist  鴨腳 yājiǎo „Entenfuß“, welche aber eher zur Ming-Zeit gebräuchlich gewesen ist. Das japanische Wort ist eine Entlehnung hiervon, die sich an der damaligen konkreten Aussprache orientiert (wie 餃子 gyōza) und nicht an der japanischen Leseaussprache, die in diesem Fall ōkyaku wäre. Später wurde dieses Wort volksetymologisch als 一葉 ichiyō erklärt, aber schließlich mit der Schriftzeichenkombination für ginnan, eben 銀杏, geschrieben. Insofern ist es kein Wunder, daß bei der Entlehnung in die europäische Sprachen solche Übertragungsfehler passierten, die Situation im Japanischen ist ja schon unglaublich verworren.

Im Chinesischen gibt es noch weitere, seltener gebrauchte Bezeichnungen: 「白果」、「佛指甲」﹑「公孫樹」.

8. April 2009

項羽 und 成語 (Teil 1)

Posted in Geschichte, 四字組, 成語 um 9:44 pm von krisnawan

 項羽 Xiàng Yǔ ist eine der großen tragischen Figuren der chinesischen Geschichte. Ein großer Stratege und General, der schnell unter dem Titel 西楚霸王 Xīchǔbàwáng „Eroberer aus dem westlichen Chu“ bekannt wurde, stieg er in den Wirren der Endzeit der ersten chinesischen Qin-Dynastie schnell zu großer Macht und Ehre auf. Ihm schien die Errichtung der nächsten Dynastie vorbestimmt zu sein, doch unterliegt am Ende im Machtkampf gegen seine Rivalen 劉邦 Liú Bāng und  韓信 Hán Xìn, von denen ersterer schließlich der erste Kaiser der Han-Dynastie werden sollte. Sein tragisches Schicksal wurde schon früh von chinesischen Historikern unsterblich gemacht, aber außerhalb  Chinas wurde er durch die Verfilmung der Peking-Oper „Farewell my concubine“ (霸王別姬 bàwángbiéjī) berühmt.

Im ersten Teil geht es um Chengyu, die aus der Zeit seines Aufstiegs stammen, im zweiten dann geht es um seinen Fall.  

Xiang Yu wuchs unter der Herrschaft der Qin-Dynastie auf, doch deren Macht begann schon nach dem Tod des Begründers und des ersten Kaisers der chinesischen Geschichte zu bröckeln. Vielerorts brachen Revolten aus, die oftmals zum Ziel hatten, die von den Qin eroberten und in ihr Reich einverleibten Königreiche wiederzugründen. Darunter auch Chu, aus deren Herrschaftsgebiet Xiang Yu stammte. Zusammen mit Liu Bang und Han Xin sollte er zu den hervorragendsten Heerführern ihrer Zeit werden, die nominell noch in Diensten des wieder eingesetzten Königs von Chu standen, aber schnell das wirkliche Ziel ins Auge faßten: China neu zu vereinen und ihre eigene Dynastie zu gründen.

  • 作壁上觀  zuòbìshàngguān „von der Mauer aus dem Kampf zusehen“: Mit der Niedergang der Macht des Qin-Reiches machte auch der Fürst von Zhao Anstalten, sein dem Qin-Reich einverleibtes Königreich wiederzuerrichten. Die Qin wollten derlei Tendenzen jedoch im Keim ersticken und schickten Truppen nach Zhao, die alsbald die dortige Hauptstadt Julu einschlossen. Der König von Chu wiederum schickte Song Yi und dessen Stellvertreter Xiang Yu nach Julu, um Zhao beizustehen. Dort angekommen, zeigte Song Yi jedoch keine Regung, den Zhao zu helfen, vielmehr wollte er zusehen, wie sich die Truppen von Qin und Zhao gegenseitig aufrieben und griff nur vereinzelt ein. Auf die wütenden Proteste Xiang Yus hin, der einen gegen Qin gefallenen Verwandten rächen wollte, tadelte Song Yi seinen Untergebenen scharf und drohte zudem jedem, der sich einer Insubordination schuldig machen würde, mit der Todesstrafe. Schließlich wuchs der Zorn des Xiang Yu dermaßen an, daß er Song Yi umbrachte und sich kurzerhand selbst zum Befehlshaber ausrief, was von den anderen Generalen aufgrund der Unfähigkeit von Song Yi akzeptiert wurde. Im Englischen gibt es eine ähnliche Redewendung, „to sit on the fence“. Dieses Wort bezeichnet also eine Situation, in der jemand bei einem Konflikt zwischen zwei anderen nicht eingreift, sondern seelenruhig den Ausgang abwartet.
  • 以一當十 yǐyīdāngshí: 10 gegen 1. Xiang Yu übernahm das Kommando über die Truppen von Chu und zog gegen die Qin, die die Hauptstadt von Zhao, Julu, eingeschlossen hatte. Die genauen Angaben widersprechen sich, aber manche Quellen sprechen davon, daß Xiang Yu nur ein Zehntel der Truppenzahl der Qin hatte, etwa 30.000 gegen 300.000. Dieses Chengyu bezeichnet dieses Verhältnis. (Anmerkung: die nebenstehende Quellenangabe verweist nicht nur auf die Beschreibung von Xiang Yu im Shiji, sondern auch auf eine frühere Verwendung im Zhanguoce. Allerdings wird dieses Chengyu häufig in Verbindung mit Xiang Yu erwähnt.) 
  • 破釜沈舟 pòfǔchénzhōu „die Kessel zerbrechen und die Schiffe versenken“ (wichtiges Chengyu!): Angesichts dieser Zahlenverhältnisse fand Xiang Yu eine außergewöhnliche Methode, seine Truppen zu motivieren: er gab den Truppen Proviant für drei Tage, ließ den Rest (die Kessel) zerstören und schnitt ihnen außerdem den Fluchtweg ab, indem er die Schiffe versenken ließ.  Diese Strategie hatte Erfolg, der Sieg von der Schlacht von Julu leitete den Untergang der Qin ein. Später wird Han Xin eine ähnliche Strategie verfolgen, indem er mit seinen Truppen mit dem Rücken zu einem Fluß kämpft: 背水一戰 (bèishuǐyīzhàn). Diesem Wort entspricht in unserem Kulturkreis in etwa die Entscheidung von Julius Cäsar, den Rubikon zu überschreiten: hiernach gab es kein Zurück mehr, denn sobald die Truppen den sakrosankten Grenzfluß übertraten, mußten sie siegreich sein bis zum bitteren Ende. Beiden Worten ist gemein, daß das Unterfangen am Ende erfolgreich ist.
  • 鴻門(夜)宴 Hóngmén(yè)yàn: der König von Chu hatte demjenigen Heerführer, der zuerst Xianyang, die Hauptstadt des Qin-Kaiserreichs in der Nähe des heutigen Xi’an, einnimmt und damit der Qin-Dynastie ein endgültiges Ende bereitet, die Prinzenwürde von Qin versprochen. Während Xiang Yu mit der Schlacht von Julu beschäftigt war, war indes Liu Bang direkt auf dem Weg nach Luoyang geschickt worden, das er nach einer Weile auch einnahm. Als Xiang Yu nach siegreicher Schlacht nach Luoyang kam und die Truppen  von Liu Bang in Besitz der Kaiserhauptstadt vorfand, verfiel er in große Rage, da er das Privileg, Xianyang zu besetzen, für sich in Anspruch genommen hatte. Angestachelt von seinem Berater Fan Zeng, der dies als eine gute Gelegenheit für Xiang Yu sah, seinen Konkurrenten Liu Bang auszuschalten, wollte er seine dreifache Truppenübermacht ausnutzen und Liu Bang und seine Truppen vernichten. Der Onkel von Xiang Yu, Xiang Bo, berichtete Liu Bang jedoch von dem Plan, aber anstatt zu fliehen, bekniete Liu Bang ihn, sich bei seinem Neffen für ihn einzusetzen, da er bereit sei, sich Xiang Yu zu unterwerfen. Xiang Bo glaubte ihm dieses und war tatsächlich erfolgreich, seinen Neffen fürs erste vom Angriffsplan abzubringen und ihn statt dessen dazu zu bringen, ein Bankett für Liu Bang im Lager von Xiang Yu am Hongmen abzuhalten. Zu diesem erschien Liu Bang am nächsten Morgen. Bezugnehmend auf dieses Ereignis bezieht sich 鴻門宴 auf  ein im wahrsten Sinne des Wortes ominöses Bankett (筵席yánxí), ein Bankett, dessen Gastegeber keine lauteren Absichten hat. 
  • 人為刀俎、我為魚肉: rén wéi dāozǔ、wǒ wéi yúròu (weitere Erläuterung hier): Liu Bang erschien also zum Bankett, aber dessen Leibgarde wurde nicht hineingelassen, so daß dieser ungeschützt Xiang Yu und seinen Männern ausgeliefert war.  Im Grund war Liu Bang wie ein Lamm zur Schlachtbank gegangen, und genau hierauf bezieht sich dieses Wort: „ich bin wie das Fisch und Fleisch, andere aber sind das Messer“, auf englisch auch „to be on somebody’s chopping block“.
  • 項莊舞劍、意/志在沛公 Xiàng Zhuāng wǔjiàn、yì / zhì zài pèi gōng: „die Absicht des Schwerttanzes von Xiang Zhuang liegt im Fürsten von Pei (ein Titel von Liu Bang)“. Ungeschützt war Liu Bang also auf dem Bankett von Xiang Yu, und dessen Berater Fan Zeng witterte immer noch eine gute Gelegenheit, sich des Rivalen zu entledigen, aber Xiang Yu war unentschlossen. Fan Zeng ließ dann den Vetter von Xiang Yu, Xiang Zhuang, einen Schwerttanz vorführen, vorgeblich um den Anlaß feierlich zu unterstreichen, aber in Wirklichkeit hatte Fan Zeng diesem aufgetragen, im Verlaufe der Aufführung Liu Bang zu töten. Xiang Bo, der Liu Bang auch am Anfang vor Xiang Yus Angriffsplänen gewarnt hatte, erkannte auch diese Gefahr und durchkreuzte die Absicht Fan Zengs, indem er sich als Tanzpartner zu Xiang Zhuangs Schwerttanz anbot und immer im richtigen Augenblich Liu Bang abschirmte. Dieses Wort bezieht sich daher auf eine Situation, in der hinter den Worten und Taten einer Person eine finstere Absicht steckt.
  • 沐猴而冠 mùhóu’érguàn (weitere Erläuterung hier, lustige Grafik hier): Xiang Yu hatte lange gezögert, Liu Bang töten zu lassen, und nicht allzu lange nach dem Schwerttanz verschwand Liu Bang unter einem Vorwand, und überließ die Stadt den Truppen von Xiang Yu, der den Kaiser und  seine Familie umbringen, den Kaiserpalast niederbrennen und ansonsten den Truppen freien Lauf ließ beim Plündern und Brandschatzen der Stadt.

23. März 2009

Todestag

Posted in Übersetzung, Wortfeld, 兩字組, 日本語 um 7:42 am von krisnawan

wieder ein Wort, bei dem die Sprachen abweichen. Das Japanische verwendet das Wort 命日 meinichi, im Chinesischen heißt es aber interessanterweise 忌日 jìrì. Dies ist homonym mit dem im Chinesischen kaum verwendeten 祭日 (es sei denn, als mögliche Abkürzung für „祭拜的日子“). Dieses Wort wiederum, saijitsu gesprochen, ist es äußerst wichtiges Wort im Japanischen, etwa soviel wie „Festtag, Feiertag“ bedeutet. Dies wird im Chinesischen wiederum mit 節日 jiérì wiedergegeben. Verwirrend, aber so ist es nun mal…

Turbulenzen…

Posted in Übersetzung, 兩字組, 日本語 um 3:39 am von krisnawan

derentwegen manchen an Bord eines Flugzeugs schlecht wird (暈機 yūnji/yùnjī). In Japan heißt es 乱流 ranryū, weswegen es in Taiwan auch 亂流 luànliú heißt. Es gibt aber auch noch genuin chinesische Ausdrucksweisen, 湍流 tuānliú und 紊流 wěnliú, die vor allem auf der anderen Seite der Meerenge üblich sind, aber teils auch in Taiwan.

21. März 2009

Surfen und Schnorcheln

Posted in Übersetzung, Wortfeld um 7:30 am von krisnawan

Surfen

Surfen ist 衝浪 chōnglàng, das Surfbrett heißt (衝)浪板 (chōng)làngbǎn. Die wichtige Fangleine – auch Leash genannt – heißt 腳繩 jiǎoshéng .  Den Neoprenanzug (Wetsuit), den man in der Regel dazu trägt, heißt „Tauchanzug“ 潛水衣 qiánshuǐyī oder „Surfanzug“ 衝浪衣 chōnglàng yī . Das manchmal auch gebräuchlie 膠衣 jiāoyī  kann mißverständlich sein.

Man beachte, daß „im Internet surfen“ nicht 衝浪 ist, sondern 瀏覽 liúlǎn, welches auch „browsen“ bedeutet (entsprechend 瀏覽器 liúlǎnqì  „Browser“).

Schnorcheln

Tauchen hat als allgemeinen Begriff 潛水 qiánshuǐ und wird ja ansonsten grob in zwei Arten* unterteilt, ohne künstliche Sauerstoffzufuhr, auch Schnorcheln (浮潛 fú qián) genannt, und mit, auch Scubadiving (水肺潛水 shuǐfèi qiánshuǐ ) genannt. Zum Schnorcheln braucht man in der Regel drei Ausrüstungsgegenstände, die auch 浮潛三寶 fúqián sānbǎo heißen: Taucherbrille 潛水鏡 qiánshuǐjìng/面鏡 miànjìng/面罩 miànzhào, Schnorchel 呼吸管 hūxīguǎn und Schwimmflossen 腳蹼 jiǎopǔ/蛙鞋 wāxié.

*) Das Freitauchen oder Apnoetauchen (裸潛 luǒqián) lassen wir außen vor.

整人

Posted in Slang, 四字組, 成語 um 5:51 am von krisnawan

„jemandem das Leben schwer machen, jemanden nerven“. Es handelt sich um einen Slangausdruck, wie z.B. in dem nachfolgenden Satz, indem es um zwei Schüler geht, die so ungezogen waren, daß

老師被整得沒轍. lǎoshī bèi zhěng dé méizhé

Eine sehr schöne Resultativkonstruktion: „so auf Trab gehalten, daß sie keine Handhabe hatten“. (沒轍 bedeutet so viel wie „mit seinem Latein am Ende sein“, eine formalere Ausdrucksweise wäre 窮途末路)

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